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Ihr erster Kater war verschwunden,
(der kommt, weil hier alles unchronologisch ist, ein andermal dran… ganz sicher sogar!)
und irgendwann bekam meine kleine Schwester dann einen anderen.
Der war ganz klein, etwas schüchtern und orangerot. Sie nannte ihn Rübe.
Immer noch einer der besten Namen aller Tiere aus meinem- hier eher ihrem, oder unserem Leben. Passte einfach perfekt.
Nach einem missglückten Skateboardversuch lag meine Schwester einmal ziemlich lange mit ihrem Oberschenkelhals in Gips im Krankenhaus.
Sie tat mir so leid, dass ich ihr von meinem Taschengeld eine rote Stoffkatze kaufte, weil sie Rübe schrecklich vermisste.
Jetzt gerade, wo ich so überlege, hoffe ich, dass das jetzt nicht schon das Netteste war, dass ich jemals für sie tat….

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Eine Schnecke mit kaputtem Haus war die erste Patientin in unserer Insektenklinik.
Sie kriegte ein Blätterbett und beste Pflege.
Die meisten der eingelieferten Patienten flohen allerdings schneller, als wir sie zudecken konnten. Am besten spielen konnte man mit toten Fliegen. Die waren leicht zu kriegen.
Ja, wir waren recht grausame Ärzte.
Aber dafür wahnsinnig gefühlvolle Insektenbestatter.
(1980)

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Es gibt ein Bilderbuch von einem Murmeltier, dass immer sagt:
„Murmeltier kann nix dafür!“
Arturs Lieblingsbilderbuch -kannichauswendig, als er klein war.
Natürlich hat er auch ein Plüschmurmeltier bekommen, als er es sich sehnsüchtig wünschte.
Im Berliner Zoo waren wir häufig, oft an seinem Geburtstag, Silvester, aber auch im Sommer, im Frühling, im Herbst.
Das Murmeltiergehege liegt zwischen den Elefanten und den Nashörnern, und war immer leer.
Ein trostloser Höhleneingang in grauockerfarbenem Staub.
In all den vielen Jahren haben wir die Murmeltiere NIE gesehen.
Entweder schliefen sie, waren (angeblich) mit Babys beschäftigt oder sonst irgendwie unpässlich.
Anfangs war der kleine Artur noch jedes Mal super enttäuscht, im Laufe der Jahre wandelte es sich in einen resignierten „Murmeltier-Ist-Nicht-Hier-Running-Gag“. Es muß letztes Jahr gewesen sein, als er mit der Schule eine Exkursion in den Zoo machte.
Ganzokay war es, eher langweilig, meinte er auf mein Nachfragen.
Dann, mit einem Leuchten in den Augen, strahlend:
„Aber – Mama! Die Murmeltiere! Sie waren da! Ich hab sie gesehen!“
Mein großes Kind.

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Wir holten drei neue Hühner. Nils suchte sich ein weißes aus und nannte es Yodahuhn. Das Yodahuhn war ziemlich berühmt, denn es hielt sich vorzugsweise außerhalb unseres Gartens im und am Graben zwischen unserem Gartenzaun und dem Wiesenweg auf. Ständig rief wer an, klopfte oder sagte uns, ein weißes Huhn wäre ausgebrochen. Auweia!
Also malte ich ein Schild, auf dem stand, dass Yoda aus freien Stücken und auf eigene Gefahr rumläuft. Sie die Freiheit jeglicher Sicherheit vorzieht.
Nils hat nicht mehr erlebt, dass sie elf Küken ausgebrütet hat. Von denen ist eins übrig geblieben. Der Yodahahn.
Yoda selbst ist ihr wildes Wesen schließlich zum Verhängnis geworden. Irgendwer hat in sie reingebissen.
Aber sie hatte das beste, das allerbeste Hühnerleben, dass könnt ihr mir glauben.

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Ich habe das Foto vom Schild noch gefunden!

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Wir Kinder aus dem Haus standen drumrum, als Tom, ein wunderschöner Streuner aus der Nachbarschaft, unserer Katze Nele (3/100) Babys machte.
(eindrucksvoll)
Ein paar Wochen später bekam sie drei Stück, alle auf dem Katzenklo. Mussten wir leider die ganzen Klosteine von den feuchten Kätzchen pflücken.
Wir nannten das Getigerte Kasimir, den, der wie ein schwarzer Pudel aussah, Leopold (das -inchen kam etwas später dazu, als wir feststellten, „er“ ist eigentlich eine „sie“…) und meine Freundin gab dem Grauen den Namen Winny.
Sie durfte sich nämlich eins aussuchen. So blieb Neles Tochter im Haus und auch Kasimir zog nur nach gegenüber. Leopoldinchen weiter weg.
Ihre Locken verschwanden leider, als sie älter wurde.
Mannometer, waren sie nicht niedlich?

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Jedes Jahr im Spätsommer landen abermillionen Marienkäfer an und auf unserm Haus. Einpaartausend davon kriechen rein und überwintern in den Ecken und Fensterkästen. Einige schaffen es bis zum Frühlingsanfang. Manche werden zwischendurch wach und krabbeln herum. Es gab schon einen in der Brotdose, welche auf der Zahnbürste und ein paar unter Kopfkissen. Und alle heißen Bob.
Angeblich hat sich einer für alle so vorgestellt, bei Greta, sagt Julius.

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Und du nimmst heute….. Jupiter.
Vor diesem Satz zu Beginn der wöchentlichen Reitstunde fürchteten sich meine beste Freundin und ich mich jedesmal SO sehr.
Weil dieses Pferd einfach riesenhaft war.
Ganz lieb, das schon, aber wir fühlten uns ihm irgendwie schrecklich ausgeliefert. Angaloppiert ist er nur, wenn der Reitlehrer mit seinem Schlüsselbund schepperte. Man hoffte zumindestens, dass er es tat, also anzugaloppieren, denn sonst flog das Ding und Jupiter machte einen wahrlich kometenhaften Satz nach vorn.
Ich bevorzuge heute noch eher kleine Pferde.

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Julius war ungefähr vier, als er mir erzählte, er würde eine Stimme in seinem Kopf hören.
Jaja… nickte ich muttimäßig. Klaaaar.
Aber nachdem er immer wieder davon anfing, und wie unheimlich die wäre,
die Stimme im Kopf, fing ich doch an, mir Sorgen zu machen.
Wann die denn käme, und was die sagen würde?
Immer mal wieder sagt die was. Einfach so. Und die macht voll gruselig:
„Schu-huuuuuu…“ Wie ein Geist.
Mmmmh.
Er solle mir nächstes mal Bescheid geben, wenn er sie höre, ok?
Abgemacht.
Eines Nachmittags dann holte ich ihn vom Kindergarten ab.
Jetzt! Mama! Da ist sie wieder!
Wir standen draußen.
Eine Taube gurrte.
Die ist nicht in deinem Kopf, die sitzt da oben im Baum, erklärte ich ihm.
Und wir waren alle beide SEHR erleichtert.

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Endlich hatte ich einen Ausführhund!
Einen Foxterrier.
Er interessierte sich nicht sonderlich für mich am anderen Ende der Leine und schaffte es sogar einmal „tomundjerrymässig“, mich durch schnelles Umrunden so in dieselbe einzuwickeln,
dass ich losließ und er abhauen konnte.Ein Glück nix passiert.
Aber ich mochte ihn sehr und erinnere ich mich wirklich noch an seinen Geruch und wie er sich angefühlt hat.
Leider wohnte Ramses eine ewige Busreise mit dem 85er
(oder dem 3er, 11er? Buszahlen kann ich mir nicht merken…) weit weg in Lichtenrade.
Einmal hat er mir die Hand gepierced, beim Ballspielen, aber nicht extra und das Loch ist längst verheilt.
(ca.1983)