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Heini war der langhaarige Schäferhund von einer Freundin, ihrer Freundin deren Freundin. Aus der Nachbarschaft.
Er war perfekt.
Zog das Mädchen auf Discorollern, indem sie sich an einem Stock festhielt, den er im Maul hatte.
Er brachte die Kinder der Familie zur Schule und wartete Sonntags unangebunden eine Stunde vor der Kirche.
Unzählige Heldengeschichten waren im Umlauf bei uns Kindern über diesen Hund.
Manchmal kam das Mädchen in unsere Straße und wir durften Heini streicheln.
(einzig sein Name…. aber naja)
Das ließ er über sich ergehen, aber hauptsächlich schien er damit beschäftigt, gehorsam und toll zu sein. Sie zeigte uns all seine Kunststücke und wir wurden grünlich vor Neid.
In einem Sommer reiste die Familie nach Spanien.
Der Legende zufolge, rannte Heini dort eines Tages einfach los in die Landschaft, ohne sich umzugucken, und ward nie wieder gesehen.
Uns Kinder hat das sehr beschäftigt. Das Mädchen tat uns schrecklich leid. Die Ärmste!
Wir haben wochenlang von nichts anderem gesprochen und sind alle Varianten der Möglichkeiten durchgegangen.
Eine hat sich bei mir festgesetzt und wurde meine persönliche Wahrheit:
Heini hatte sich selber aus der Knechtschaft des Perfekt-Seins befreit.
Er lebte seitdem frei und glücklich irgendwo in Spanien, ohne jemals wieder Befehle ausführen zu müssen.
Ganz cool von ihm.
(ca 1983)

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