72/100

Scan 69

Jetzt kommt der schwarze Fleck auf meiner Tiergeschichtenweste:
Juri.
Wir waren mit Baby Artur und dem verwitweten Karlsson am Grunewaldsee spazieren, und sahen eine Frau mit einem winzigkleinen Galgobaby.
Aus Spanien gerettet. Ein Zuhause suchend.
Wir überlegten eine Weile und entschieden uns,
wieder einen zweiten Hund aufzunehmen.
Es war von Beginn an nicht leicht.
Wir wohnten im zweiten Stock und ich wurde Meisterin darin, das Baby binnen Sekunden ins Tragetuch zu stecken, um den Hund rechtzeitig nach unten zu tragen. Er kackte Berge von Würmern. Überall hin. Sonst nichts.
Das gab sich natürlich irgendwann, auch wurde er sicherer und biß mich nicht mehr, wenn ich ihn daran hindern wollte, Müll und Kot auf der Straße zu vertilgen.
Wir räumten die drei Schuhe, die heil geblieben waren, einfach weg und übten uns in Geduld.
So ist ein Hundekind eben. Dieses war nur besonders wild.
Wir haben eineinhalb Jahre versucht, miteinander zurecht zu kommen.
Er war inzwischen ganz gut erzogen, superlieb mit dem Kind und man konnte ihn überall laufen lassen. Aber es war nicht genug.
Ich bin täglich über zwei Stunden mit ihm in Parks geradelt oder in Hundeauslaufgebiete gefahren. Egal wie lange- ihm reichte es nicht.
Immer unruhig, immer auf dem Sprung. Und nicht wirklich glücklich.
Mir fiel es unendlich schwer, nie wäre ich vor Juri auf den Gedanken gekommen, man könne seinen eigenen Hund abgeben wollen, aber so war es.
Wir konnten ihm einfach nicht gerecht werden.
Erst versuchte ich auf eigene Faust ein neues Zuhause zu finden- und scheiterte kläglich. Noch vor Ablauf des Probe-Wochenendes.
Dabei hatte ich dem Mädchen ausdrücklich gesagt, dass sie ihr Kaninchen wirklich richtig gut in ein anderes Zimmer einschließen muß, wenn sie die Wohnung verlässt. (…)
Am Ende brachte ich ihn zu einer sehr netten Pflegestelle irgendwo in Norddeutschland, die sich speziell auf Windhunde spezialisiert haben.
Ich habe mich kaum mehr so geschämt, wie in dem Augenblick, als ich meinen Hund dort zurückgelassen habe.
Er fand bald ein Zuhause in München und wurde wohl sehr glücklich. (2002)

2 Kommentare zu „72/100“

  1. Ich hoffe, inzwischen schämst Du Dich nicht mehr dafür, dass Du aus Liebe getan hast, was für den Hundekerl am besten war. Und ihr habt ihm ja wirklich tolle Startbedingungen mitgegeben – lieb, gut erzogen und nicht mehr wurmbergekackend. Die schwierigste Zeit miteinander durchgestanden und gemerkt, dass Leben und die Bedürfnisse dieses Hundes nicht zusammenpassen und auch nicht passend gemacht werden können. Ist manchmal so bei richtigen Arbeitshunden. Ich freue mich für ihn, dass ihr es erkannt und euch eingestanden habt!

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