24. April

Nilgänse.jpg

Die Nummer 22/100 der Tiere aus meinem Leben heute ausnahmsweise erstmal hier im Blog.

Heute früh watschelten auf der Weide meiner Stallnachbarin zwei Gänse herum. Pickten mal hier mal da, um den grossen Schimmel herum, und das war so schön anzusehen.
Tatsächlich hatte ich noch nie vorher solche Wildgänse gesehen.

Kurz fotografiert, dann gegoogelt.
Schnell die passenden Bilder gefunden, dann den Namen gesehen,
erst falsch gelesen – klar –  es sind Nilgänse.
Verrückt, dass ich von denen heute zum ersten Mal höre, oder?

Den Rest habe ich erst vorhin nachgelesen.

Jetzt verstehe ich auch, warum letzte Woche ein Gänsepärchen versucht hat, auf den brandenburgischen Kiefern zu landen. Ich dachte erst an so ne Art Blitzevolution. Oder, dass jetzt schon die Gänse durchdrehen. Nicht weiter verwunderlich. Aber das waren die beiden hier. Die brüten offenbar auch auf Bäumen.

Edit: Eine Instagram-Leserin machte mich auf den Artikel in der FAZ aufmerksam.
Da gibt es noch mehr: AchdumeineGüte. Ich habe mir nicht alle durchgelesen, aber die Nilgänse haben dort scheinbar ein eigene Kolumne inzwischen.

 

29. März

 

neugeborenerNils

 

Wie schön, dass du geboren warst.

Heute vor sechs Jahren war ich zu feige für eine Geburt ohne PDA. Ich dachte, ich schaffe das nicht noch ein viertes Mal, diese Schmerzen, diese Qual und Anstrengung. Ich habe die Hebamme gnadenlos angejammert, mir eine setzen zu lassen. Eine komische Geburt, sie passierte irgendwie und zum Schluß tat sie so weh, wie sie musste.

Dann war der Geburtsraum plötzlich voll mit uns Eltern und ihm, meine Mama war da und brachte alle Geschwister ins Krankenhaus.
Die Sonne stand schon tief und erleuchtete das Zimmer ganz sanft. Es war warm und still und ganz ganz besonders.
Einer der schönsten Momente in meinem Leben, vor sechs Jahren.

Heute hätte ich den Schmerz genommen. Hundertausendfach.
Würde er ihn mir zurückbringen.

(Ab und zu darf man hätte und würde sagen, zum Beispiel an Geburtstagen)

 

 

 

20. März

Vögelundeinei.jpg

Heute hat es wieder geschneit und die halbe Welt findet es blöd. Ich nicht. Es war so wenig Schnee bisher bei uns, da ist es mir egal, wann er kommt. Jetzt ist er ja beinahe schon vorweihnachtlich, ausserdem bin ich nicht mehr so der Frühlingstyp.

Am Friedhof lag nachmittags noch alles unter weichem, weißen Schnee. Ein oder zwei Fußspuren, die Grabstellen alle so richtig fein und friedlich und ordentlich zugedeckt.

Also, bis bis auf die von Nils. Dort scheinen etwa dreissig Vögel eine Party veranstaltet zu haben. Überall kleine Vogelfussabdrücke, um die Krokusse rumgewühlt, an den Blaubeeren gebuddelt und – klar, wie immer alle Steinchen vom Stein geworfen.
(damit Georg sie wieder aufheben kann)

Das war schön.
Die Zeichnung oben ist, unabhängig davon, schon vor ein paar Tagen entstanden.
Fragt euch also bloß nicht, warum die nicht fröhlich aussehen und was das Ei da soll.
(ohne würde der Vogel umkippen, ganz einfach)

1. März

Liebe.jpg

März. Der Geburts-Tags-Monat.
Für immerdrei, jetzt bald sechs im Konjunktiv.
Und im Laufe diesen Jahres wird dann noch irgendwann der Tag kommen, den ich nicht extra ausrechnen möchte.
Davon hatte ich irgendwo mal gelesen.

Dieser Tag, ab dem der Zeitabschnitt, in dem Nils tot ist, quasi länger ist als der, in dem er gelebt hat.
Und während ich das überlege, denke und weiß ich, und schreibe es mir zur Erinnerung auf
(nein, ich diktiere es besser nicht meinem Handy…),
dass man dies nicht rechnet und auch nicht zählt.
Ab wann beginnt denn ein Leben? Und wann hört es auf?
Hat ein Jahr in echt 365 Tage, oder besteht es aus Augenblicken und Momenten, die man sowieso nicht zählen kann?
Ich weigere mich also, zu rechnen.
Drei Jahre kommen mir wahnsinnig lang und gleichzeitig furchtbar kurz vor.
Mir werden auch sieben Jahre schrecklich lang, im Verhältnis zu dreien allerdings gnadenlos kurz und ebenso ewiglich erscheinen.
Ein Jahr kann wie Kaugummi, ein anderes komplett aus dem Gehirn verschwunden sein.
Und was war mit den neunundreissig, die vergingen, bevor diese drei kamen und was zählen und wiegen die letzten siebzehn mit all meinen Kindern?
Ein Segen, wenn man mit Zahlen nicht umgehen kann. Wer es kann, muss es ja nicht wollen müssen.

Für Vermissung und Tod und Liebe und Leben gibt es ohnehin keine feste Maßeinheit.

Und – Nils wird NIE länger tot als hier sein. Basta.

(P.S.: Und ja! Ich zeichne ihn … weil ich darf, „muss“, und es tatsächlich wieder kann…)

13. Februar

Ballmann.jpg

Jaaaaaa…. ich habe gestern keine Zwölfer gezeichnet.

Heute hatte ich erst überlegt, 13 von 13 zu zeichnen, aber dann fiel mir ein, dass ich ja Sonntag eine Ausstellung mache und diese mal vorbereiten sollte. Gut, dass ich so forsch eingeladen habe….

Das Bild da oben ist unverkäuflich, habe ich aber beim Sortieren gefunden und finde es immer noch sehr großartig. (Baaaa hieß Ball. Was der Herr zum Glück nicht wusste)

Ich habe aber etwa drei- bis fünfhundert andere Zeichnungen gefunden und rausgesucht und bin gespannt, ob wer kommt, um zu gucken. Also ich hoffe es. Gern auch nur so. Das dauert nämlich wahrscheinlich Tage, die alle an die Wand zu kleben. Aber sieht dann sicher hübsch aus. Also.

Achja… weil einige fragten: Ich werde leider ganz sicher nichts von den Sachen online verkaufen. Weil mir für die Verschickerei gerade die Zeit fehlt. Tut mir leid.

Edit: Jetzt habe ich ihn endlich gefunden: Den Originalbeitrag.

 

 

 

später

gähn

Ich bin so müde.
Jedes Einatmen fühlt sich wie der Anfang von Gähnen an.
Dabei kann ich schlafen, soviel ich will, werde nachts höchstens mal von der Katze benachrichtigt, dass sie sich jetzt an meine Beine kuscheln wird.
Ich habe keinen Grund zu jammern und eigentlich doch jeden.
Aber mein Grund ist so leergedacht, so wiedergekäut.
Je länger man trauert, je erfahrener man darin wird, je mehr man erfährt, erlebt und auch woanders mitansieht, umso leerer denkt es sich in einem.
Ich bin gelangweilt von mir und meinem Denken, dass sich permanent um mich selbst und um die Tatsache dreht, dass mein Kind tot ist.
Immer meine Befindlichkeiten.
Ichichich.
(…)
Ich lese das, was ich bis hierher schrieb und der Ton vom Text geht auf und nieder und die Wörter leiern dahin, ich breche fast.
Ja, ich.
Bra bra bra bra.
So müde bin ich, dass ich nicht mal mehr meine Wut wecken kann.
Und ohne meine Wut schläft auch mein Mut.
(JA- schon wieder – m e i n e r !)
Aber ohne Mut?

Ohnmut.

Ohnmacht.

Unmut.

Unmacht.

Macht.

(An diesem Punkt würde wohl mein Kopf auf die Tastatur knallen. Ich schlafe.)

28. November

träume.jpg

Jeden Abend vorm Einschlafen rolle ich mich ein, halte mein Kind unsichtbar im Arm und wünsche mir, von ihm zu träumen. Das dauert circa zwei Sekunden, dann bin ich auch schon weg.
Ich träume nie. Naja…. fast nie.

Wenn es- wie in den letzten beiden Nächten- dann so ist, dass ich glaube, die Erinnerung an einen Traum zu fühlen, will ich nicht mehr aufwachen. Tauche immer wieder zurück, suche, denke, hoffe, ihn dort zu finden, im Schlaf wenigstens.
Wo warst du, wie siehst du aus, was hast du gemacht, gehts dir gut, ist alles ok?

Gestern habe ich mich sogar wieder hingelegt, als alle weg waren. (pssst…!)

Aber das klappt leider nicht. Ich klappere vergeblich jeden Winkel meines Schlafes ab. Und wenn ich dann aufstehe, bin ich lebensmüde.
(jetzt nicht im gefährlichen, nur im Wort- Sinn, keine Sorge)

Ist ja nicht so, als hätte ich nicht mal klare Anweisungen gekriegt.
Heute ziehe ich dann auch gleich meine Jogginghose aus und eine richtige an.