2. Kapitel

wascheklammern

Ich will nicht ins medizinische Detail gehen.

Kann ich gar nicht.

Braucht man aber auch nicht.

Wir kürzen das inzwischen ohnehin ab, weil es auch sehr einfach ist.

Man hat die Bauchspeicheldrüsenentzündung nicht diagnostiziert.

In dem gesamten fraglichen Zeitraum, in dem es eine ausserordentliche Rolle spielte, ob Nils eine Pankreatitis hatte, oder nicht, wurden zwar ein paar Dinge gemacht, die allerdings nix ergaben, ausser Vermutungen, er hätte wohl Verstopfung und Bauchweh durch die Chemo und die Antibiose, aber das wären eben normale Nebenwirkungen.

(fraglicher Zeitraum sind nicht drei oder vier Tage, fraglicher Zeitraum sind mehrere Wochen)

Es wurde ihm allerdings kein einziges Röhrchen klinische Chemie im fraglichen Zeitraum abgenommen, mit dem man sie erkannt hätte. Ja, hätte man.

Und das, wo ihm doch beinahe täglich sowieso Blut abgenommen wurde, für irgendwelche anderen Werte. Er hatte diesen praktischen ZVK, ihr erinnert euch sicher.

Nun ist das so, dass das eine Medikament, dass er im Zuge seiner Chemotherapie bekam, mit einer möglicherweise bestehenden Pankreatitis kontraindiziert wirkt. (das steht sogar im Beipackzettel, den man (tatsächlich!) im Internet nachlesen kann)

Man sollte also möglichst vor Gabe des Medikaments eine solche ausschließen.

Denn was passiert, wenn man sie trotzdem gibt, bei einer bestehenden Bauchspeicheldrüsenentzündung? Was bedeutet denn kontraindiziert?

Der Patient stirbt auf jeden Fall. Die Zersetzung des Ihrwisstschonwas kann man dann nicht mehr aufhalten. Ohgott, ja. Ab da starb er.

Nachweisen lässt es sich nicht, wann sich Nils kleine Bauchspeicheldrüse entzündet hat.

Man hat es einfach mal überhaupt gar nicht bemerkt.

Seine Werte, am Mittwoch vor seinem Tod bei einer Rückenmarkspunktion entnommen, waren übrigens top.

Keine Krebszelle mehr nachweisbar.

Aus der „Akten-Zeit“ ist dieser Post. Haha, und dieser! Den mag ich immer noch sehr.

Im November 2015 zahlt die Versicherung der Charite uns ein Schmerzensgeld aus, ohne eine weitere ärztliche Begutachtung in Auftrag zu geben. Sie möchten der „besonderen Situation, in der wir uns wegen dem schmerzlichen Verlust unseres Sohnes Nils befinden, Rechnung tragen.“ Und die sprechen am Ende ihres Bescheides ihr aufrichtig empfundenes Mitgefühl aus.

Das erste von offizieller Seite.

Das ist gut, finden wir. Die sehen das wie wir, denken wir.

Von dem Geld gibt es allerdings keinen neuen Nils zu kaufen.

Piepaufdaspieppiepgeld.

 

 

 

 

17 Kommentare zu „2. Kapitel“

  1. Liebe Melanie. Wie viele andere möchte ich dir mein tief empfundenes Mitgefühl aussprechen, wir kennen uns nicht. Du bist eine tolle Frau mit einer unglaublichen, intensiven Art, die Dinge aufs Papier zu bringen! Das nur nebenbei. Nicht nur der Mut, so offen mit Gefühlen umzugehen, sondern auch die Natürlickeit, sicher auch Talent, mit der du euch ausdrückst, ist bewundernswert. Auch ich habe schon geweint, um euren Nils! Alles, alles Glück von Herzen für die Zukunft, für euren Weg. Leben ist nicht fair…💛

  2. Melanie, das Schicksal ist ein mieser Verräter…und dennoch bin ich stolz auf euch, auch wenn wir uns nicht kennen, dass ihr den Weg an die Öffentlichkeit wagt und euch nicht in Schweigen hüllt und euch mit Geld abspeisen lasst. Welche Unfassbarkeit – als wenn Geld irgendetwas ändern würde.

  3. …..wie kann das sein, wie kann das sein, wie kann das sein……ja, ob mit oder ohne Fahrradkette unfassbar unendlich traurig, schon allein der Gedanke kaum auszuhalten und trotzdem dreht sie sich da im Kopf die Kette…..

  4. Liebe Melanie,
    wir kennen uns nicht, und trotzdem fühle ich seit einiger Zeit mit Dir mit. Erst mochte ich Deine Zeichnungen sehr und Deine weisen, so knappen Kommentare. und dann habe ich mit Dir um Nils gezittert, dann geweint. Jetzt bin ich fassungslos. Wegen meinem schwerkranken Neffen ahne ich manchmal, wie es sich anfühlen mag, um sein Kind zu zittern. aber so oft habe ich gedacht, wie gut es ist, wenn man zusätzlich zur Trauer nicht auch noch wütend auf konkrete Menschen/Organisationen sein muss, sondern nur allgemein wütend aufs Leben. und ich hatte sehr gehofft, dass das bei Euch so sei. Denn Du hast immer so stark gewirkt, so zukunftsmutig. und jetzt das.
    Ich möchte Dir so gerne eine echte Umarmung schicken, ich schicke oft gute Gedanken zu Dir, Deine Familie, zu Nils. Ich fürchte, mehr kann ich nicht. Aber heute möchte ich Dir dazu noch meine Bewunderung aussprechen. Bleib weiter lebensmutig, Du kämpfst ja nicht nur für Nils, sondern auch für Dich, Deine Familie und Eure Zukunft. Dafür wünsch ich Dir weiter viel Hartnäckigkeit und Liebe
    Mit den liebsten Grüßen
    TIna
    (die sich manchmal wünscht, sie könnte die Dinge so knapp und dabei schön auf den Punkt bringen wie Du)

…. ich freue mich über deinen Kommentar!

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