30. Mai

disussion

Gestern bin ich tatsächlich in eine Minidebatte in der Kommentarfunktion bei Facebook geraten, die ich nicht geneigt war, weiterzuführen. Zu anstrengend.
Da mir aber Überheblichkeit und fehlende Argumente vorgeworfen wurden, musste ich nun doch noch vorm Frühstück meine Antwort aus dem Kopf aufzuschreiben.
Hier traue ich mich, sie zu veröffentlichen, drüben sind mir die Reaktionen zu übergriffig, bin ich ganz ehrlich.
Natürlich! Dürft ihr in den Kommentaren darüber offen und respektvoll eure Meinung schreiben, keine Scheu!
Also:

…..
Ich werde immer alles aus der Perspektive des Kranken und seiner Angehörigen sehen.
Ich werde immer dafür sein, jede Möglichkeit, Leben zu retten, wahrzunehmen,
wenn es eine gibt.
Ich werde immer denken, ein Mensch, egal wie alt, egal wie vorerkrankt, egal ob er sowieso irgendwann sterben muss, ist wichtiger als alles sonst.
Ich werde immer alles in Kauf nehmen, um andere vor Krankheit zu schützen.
Auch wenn es mich selbst zeitweilig einschränkt.
Persönliche Freiheit ist jedem Einzelnen gegeben.
Immer, in ganz individueller Form.
Er kann sie aber bitte unterzuordnen, wenn Schwächere bedroht sind.
Das ist für die einen leicht, für andere superschwer.
Natürlich. Wie alles.
Das Brüllen nach Freiheit, die Angst unterdrückt zu werden, der Egoismus von Leuten, die glauben, sie sind im Recht, nur weil sie angeblich weiter denken als andere, geht mir deshalb wahnsinnig auf die Nerven, weil die vor allem eins sind: IchIchIch.

Ich habe so ein Ding mit Ärzten. Eins mit dem Gesundheitssystem, mit Wissenschaftlern und auch mit dem Tod.
Mein „Trigger“, wenn man so will  ist folgendes Zitat, das uns mal von einem Staatsanwalt geschickt wurde:

„Angesichts dieser Sterblichkeitsraten kann nicht davon ausgegangen
werden, dass das Leben von Nils hätte gerettet werden können.“

Und das ist nachweislich nicht wahr gewesen.
Und deshalb werde ich immer davon ausgehen, dass Leben gerettet werden kann.
Weil es immer um einzelne Menschen geht. Nicht um Raten oder Zahlen.
Nicht ums Recht-Haben.
Und nicht um Dichdichdich.

Und ja: Meinemeinemeine Meinung.
Aber immer flexibel.
 

 

 

 

 

18 Gedanken zu „30. Mai“

  1. Danke für diese deutlichen Worte.
    Mir hat man gesagt, dass keiner der Ärzte je damit gerechnet hat, dass unsere Tochter diese Krankheit und die Behandlung überleben würde. Hat sie aber und es war gut, dass entgegen aller Wahrscheinkichkeiten alles getan wurde, was ihr geholfen hat, diesen Kampf zu gewinnen.

  2. Sehr gute, klare Worte, zur aktuellen Situation (die mich regelmässig aufwühlt, fassungslos stehen lässt, wütend macht – eine zeitlich begrenzte physische Distanz, ein Stück Baumwolle und Abstandhalten und immer noch wird gejammert und wirres Zeug dahergebracht) und die Worte jenes Staatsanwaltes sind abstossend, sprachlosmachend und nicht wahr.
    Liebe Grüße, Danke!

  3. Grundsätzlich richtig, wichtig und problemlos nachvollziehbar.
    Aber ich habe auch schon geliebte Menschen gehen lassen müssen, weil alles andere Quälerei gewesen wäre. Auch das ist Leben, ist Verantwortung und genauso wichtig wie Schutz jeden Lebens.
    Gruß und schönes Wochenende!

  4. danke für Deine Worte.
    Ich habe die Zeit in einer kleinen Gemeinde in Portugal erlebt, tief berührt wie entschlossen und selbstverständlich trotz vieler bedrohter Existenzen, über soviele Wochen alle miteinander gehandelt haben, nicht um sich selbst zu schützen, sondern den anderen, die Schwächeren, Kranken und insbesondere die Alten. Und das wo sich das Leben hier so sehr in Gesellschaft und vor allem draussen abspielt, zumal im Frühjahr jeder Sonnenstrahl gebraucht wird, in den oft feuchten Häusern.
    Ich bin einfach sprachlos, ob der Diskussionen.

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