30. August


Heute acht Wochen.
Ich zeige euch den Brief von mir an Nils, den ich ihm mitgegeben habe.
Sehr privat.
Aber egal, ich weiß, dass so viele an uns denken und sich fragen,
wie wir uns fühlen.
Nein, es ist noch nicht wieder gut.
( die Frage kam tatsächlich letztens…)
Wird nie wieder gut werden.
Auch wenn man es uns äusserlich vielleicht nicht mehr ansieht.
Aber wir arbeiten dran.


Lieber Nils!
Ich hoffe, es geht dir gut.
Kein Dreijähriger sollte schon so lange von Mama und Papa und seinen Geschwistern weg sein, ohne, dass sie auf ihn aufpassen.
Auch wenn du meinst, du bist schon groß.
Ich habe ein bisschen Angst, daß Gott viel zu viel zu tun hat, um sich genug um dich zu kümmern, auch wenn wir natürlich glauben sollen, er hätte für jeden im Himmel genug Zeit.
Das Gefühl, dich in deiner neuen Welt nicht begleiten zu können und sie dir nicht zeigen und erklären zu können, ist fast nicht auszuhalten.
Viele sagen, du bist jetzt ein kleiner Engel,
(entschuldigung…., ein großer natürlich!)
der über uns wacht und uns beschützt.
Ich möchte das irgendwie eigentlich gar nicht.
Denn das ist verdreht.
Ich möchte, dass du frei bist. Froh und sorglos.
Wie immer ohne Angst.
Das bist du bestimmt.
Mach dir keine Gedanken um uns.
Wir sind gerade so traurig, so verzweifelt und so krank vor Kummer.
Bei allem, was wir machen und was wir noch machen wollen, fehlst du. So schrecklich sehr.
Aber glaub mir, wir werden schon lernen, damit umzugehen.
Und wir trösten uns gegenseitig.
Ich stelle mir vor, wen du wohl triffst, dort, wo du jetzt bist.
Wen du kennst.
Theo, der Hahn, ist an deiner Seite.
Ebenso die beiden Erpel Rüdiger und Rolfi.
Und Kiwi, Gretas Wellensittich.
Ich weiß nicht, ob du dich an Karlsson erinnerst, aber der hat dich sicher erkannt und schon begrüsst.
Der Hund neben Karlsson heisst Flynn, das ist sein allerbester Freund. Der ist auch noch ganz klein und verspielt.
Mit dem kannst du viel Spass haben.
Lustig, wie der kleine Nils Holgersson (Nein, nicht Petterson…!)
bist du also umringt von Federvieh.
Und zwei kleinen Windhunden.
Die ganzen Omas, Omis und Opas sind auch mit dir verwandt.
Ihr macht das schon.
Liebster Nils, wir sind stolz und froh, dass du dreieinhalb Jahre bei uns warst.
Wird man automatisch zu etwas Besonderem, wenn man die Welt nur so kurze Zeit besucht?
Wahrscheinlich.
Du warst das aber auch vorher schon.
Immer unser Stern.
Nils, der kleine (ähm… grosse) Stern, dass passte zu dir.
Dass du eigentlich eine Sternschnuppe bist, hatte keiner geahnt.
Du bist bei uns.
Immer im Herzen und in unseren Gedanken.
Und ich verspreche dir ganz fest:
Bald siehst du uns wieder glücklich.
Immer immer immer traurig,
aber nicht unglücklich.
Wir halten uns fest und dich quetschen wir unsichtbar in die Mitte.
Ich liebe dich auch so sehr,
deine Mama.

36 Gedanken zu „30. August“

  1. melanie, ich folge dir noch gar nicht so lange. als ich das mit nils gelesen habe, konnte ich es am anfang gar nicht glauben. es ist so unfassbar was euch passiert und mit wie viel mut du hier alles oder vieles so ganz öffentlich mit uns teilst. immer, wenn ich hier bei dir vorbei schaue, dann bin ich danach ganz zerissen- einerseits bin ich dann so traurig und ich habe unbekannterweise tränen in den augen, obwohl ich mich doch gar nicht in deine lage versetzen kann und das wohl auch nicht sollte, und gleichzeitig bin ich danach so sensibilisiert für all das gute in der welt. die kleinigkeiten. die winzigen aufmerksamkeiten. ich reiße meine augen auf und sauge das ganze leben, jedes lachen auf. für mich selbst und für nils noch gleich mit. durch deine zeichnungen, durch deine worte, durch deine trauer und deine liebe ist nils irgendwie ein teil von jedem von uns geworden und kann jetzt ganz frei überall sein und alles miterleben. wie du sagst, traurig, aber nicht unglücklich.

  2. …dieser Brief hat mich sehr berührt, schon vor einiger Zeit…jetzt wieder neu, ganz aktuell und ich hab ihn mir mal abgeschrieben, versprochen nur ganz privat und mit einem herzlichen Dankeschön…marit

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