1. März

Liebe.jpg

März. Der Geburts-Tags-Monat.
Für immerdrei, jetzt bald sechs im Konjunktiv.
Und im Laufe diesen Jahres wird dann noch irgendwann der Tag kommen, den ich nicht extra ausrechnen möchte.
Davon hatte ich irgendwo mal gelesen.

Dieser Tag, ab dem der Zeitabschnitt, in dem Nils tot ist, quasi länger ist als der, in dem er gelebt hat.
Und während ich das überlege, denke und weiß ich, und schreibe es mir zur Erinnerung auf
(nein, ich diktiere es besser nicht meinem Handy…),
dass man dies nicht rechnet und auch nicht zählt.
Ab wann beginnt denn ein Leben? Und wann hört es auf?
Hat ein Jahr in echt 365 Tage, oder besteht es aus Augenblicken und Momenten, die man sowieso nicht zählen kann?
Ich weigere mich also, zu rechnen.
Drei Jahre kommen mir wahnsinnig lang und gleichzeitig furchtbar kurz vor.
Mir werden auch sieben Jahre schrecklich lang, im Verhältnis zu dreien allerdings gnadenlos kurz und ebenso ewiglich erscheinen.
Ein Jahr kann wie Kaugummi, ein anderes komplett aus dem Gehirn verschwunden sein.
Und was war mit den neunundreissig, die vergingen, bevor diese drei kamen und was zählen und wiegen die letzten siebzehn mit all meinen Kindern?
Ein Segen, wenn man mit Zahlen nicht umgehen kann. Wer es kann, muss es ja nicht wollen müssen.

Für Vermissung und Tod und Liebe und Leben gibt es ohnehin keine feste Maßeinheit.

Und – Nils wird NIE länger tot als hier sein. Basta.

(P.S.: Und ja! Ich zeichne ihn … weil ich darf, „muss“, und es tatsächlich wieder kann…)

13. Februar

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Jaaaaaa…. ich habe gestern keine Zwölfer gezeichnet.

Heute hatte ich erst überlegt, 13 von 13 zu zeichnen, aber dann fiel mir ein, dass ich ja Sonntag eine Ausstellung mache und diese mal vorbereiten sollte. Gut, dass ich so forsch eingeladen habe….

Das Bild da oben ist unverkäuflich, habe ich aber beim Sortieren gefunden und finde es immer noch sehr großartig. (Baaaa hieß Ball. Was der Herr zum Glück nicht wusste)

Ich habe aber etwa drei- bis fünfhundert andere Zeichnungen gefunden und rausgesucht und bin gespannt, ob wer kommt, um zu gucken. Also ich hoffe es. Gern auch nur so. Das dauert nämlich wahrscheinlich Tage, die alle an die Wand zu kleben. Aber sieht dann sicher hübsch aus. Also.

Achja… weil einige fragten: Ich werde leider ganz sicher nichts von den Sachen online verkaufen. Weil mir für die Verschickerei gerade die Zeit fehlt. Tut mir leid.

Edit: Jetzt habe ich ihn endlich gefunden: Den Originalbeitrag.

 

 

 

später

gähn

Ich bin so müde.
Jedes Einatmen fühlt sich wie der Anfang von Gähnen an.
Dabei kann ich schlafen, soviel ich will, werde nachts höchstens mal von der Katze benachrichtigt, dass sie sich jetzt an meine Beine kuscheln wird.
Ich habe keinen Grund zu jammern und eigentlich doch jeden.
Aber mein Grund ist so leergedacht, so wiedergekäut.
Je länger man trauert, je erfahrener man darin wird, je mehr man erfährt, erlebt und auch woanders mitansieht, umso leerer denkt es sich in einem.
Ich bin gelangweilt von mir und meinem Denken, dass sich permanent um mich selbst und um die Tatsache dreht, dass mein Kind tot ist.
Immer meine Befindlichkeiten.
Ichichich.
(…)
Ich lese das, was ich bis hierher schrieb und der Ton vom Text geht auf und nieder und die Wörter leiern dahin, ich breche fast.
Ja, ich.
Bra bra bra bra.
So müde bin ich, dass ich nicht mal mehr meine Wut wecken kann.
Und ohne meine Wut schläft auch mein Mut.
(JA- schon wieder – m e i n e r !)
Aber ohne Mut?

Ohnmut.

Ohnmacht.

Unmut.

Unmacht.

Macht.

(An diesem Punkt würde wohl mein Kopf auf die Tastatur knallen. Ich schlafe.)

28. November

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Jeden Abend vorm Einschlafen rolle ich mich ein, halte mein Kind unsichtbar im Arm und wünsche mir, von ihm zu träumen. Das dauert circa zwei Sekunden, dann bin ich auch schon weg.
Ich träume nie. Naja…. fast nie.

Wenn es- wie in den letzten beiden Nächten- dann so ist, dass ich glaube, die Erinnerung an einen Traum zu fühlen, will ich nicht mehr aufwachen. Tauche immer wieder zurück, suche, denke, hoffe, ihn dort zu finden, im Schlaf wenigstens.
Wo warst du, wie siehst du aus, was hast du gemacht, gehts dir gut, ist alles ok?

Gestern habe ich mich sogar wieder hingelegt, als alle weg waren. (pssst…!)

Aber das klappt leider nicht. Ich klappere vergeblich jeden Winkel meines Schlafes ab. Und wenn ich dann aufstehe, bin ich lebensmüde.
(jetzt nicht im gefährlichen, nur im Wort- Sinn, keine Sorge)

Ist ja nicht so, als hätte ich nicht mal klare Anweisungen gekriegt.
Heute ziehe ich dann auch gleich meine Jogginghose aus und eine richtige an.

18. Oktober

wildgänse2017.jpg

Wildgänse haben auf dem Blog hier eine lange Tradition.
Hier, im Herbst 2010.
Hier, 2011. Oder hier. Natürlich hier.
Jetzt fliegen sie gerade wieder nach Rügen, wie Nils mal sagte. Nach Süden, was er meinte.

Er ist immer dabei und ich hoffe, die vielen Leute, die an ihn denken, wenn sie die Gänse sehen, lächeln.
So wie ich. Meistens.

Danke dafür wollte ich sagen.

29. September

Hund.jpg

Letztens fragte eine Freundin, ob der Herbst für mich besonders bedrückend ist. Weil ja alles vergeht und fällt, verwelkt und stirbt.
Ich litt früher sehr unter den Herbsten.
Ehrlich gesagt, bekam ich schon am Anfang der Sommerferien Angst vor deren Ende und dem damit beginnenden Herbst. Häufig machte ich zu dieser Zeit Termine mit verschiedenen Therapeuten.
Meine Omi hatte so einen tollen Begriff dafür- den reiche ich nach- er fällt mir nicht mal mehr ein. Nee, nicht Herbstdepression. (Mama?)
Also, ich fand ihn schon schön, den Herbst, mit dem Licht und der Luft und den tollen Farben… aber diese Dunkelheit und die Kälte und die ganzen Viren, die durch die Luft flogen. Örgs.
Die schnürten mir die Kehle zu.

Warum das weg ist. Keine Ahnung. Aber es ist eine gute Nebenwirkung meiner Trauer, die man hier ruhig auch mal erwähnen kann.

Edit: „Dat aaame Dier.“ So nannte sie es, meine Omi. Das ist plattdeutsch. Danke, Mama! Visuell hatte ich es offenbar noch drin im Hirn, jetzt passt die Zeichnung perfekt!….

Ich hatte wieder dat aaame Dier. Wie ich diesen Ausdruck liebe!