1. März

Liebe.jpg

März. Der Geburts-Tags-Monat.
Für immerdrei, jetzt bald sechs im Konjunktiv.
Und im Laufe diesen Jahres wird dann noch irgendwann der Tag kommen, den ich nicht extra ausrechnen möchte.
Davon hatte ich irgendwo mal gelesen.

Dieser Tag, ab dem der Zeitabschnitt, in dem Nils tot ist, quasi länger ist als der, in dem er gelebt hat.
Und während ich das überlege, denke und weiß ich, und schreibe es mir zur Erinnerung auf
(nein, ich diktiere es besser nicht meinem Handy…),
dass man dies nicht rechnet und auch nicht zählt.
Ab wann beginnt denn ein Leben? Und wann hört es auf?
Hat ein Jahr in echt 365 Tage, oder besteht es aus Augenblicken und Momenten, die man sowieso nicht zählen kann?
Ich weigere mich also, zu rechnen.
Drei Jahre kommen mir wahnsinnig lang und gleichzeitig furchtbar kurz vor.
Mir werden auch sieben Jahre schrecklich lang, im Verhältnis zu dreien allerdings gnadenlos kurz und ebenso ewiglich erscheinen.
Ein Jahr kann wie Kaugummi, ein anderes komplett aus dem Gehirn verschwunden sein.
Und was war mit den neunundreissig, die vergingen, bevor diese drei kamen und was zählen und wiegen die letzten siebzehn mit all meinen Kindern?
Ein Segen, wenn man mit Zahlen nicht umgehen kann. Wer es kann, muss es ja nicht wollen müssen.

Für Vermissung und Tod und Liebe und Leben gibt es ohnehin keine feste Maßeinheit.

Und – Nils wird NIE länger tot als hier sein. Basta.

(P.S.: Und ja! Ich zeichne ihn … weil ich darf, „muss“, und es tatsächlich wieder kann…)

25 Kommentare zu „1. März“

  1. Mein kleinster Sohn sagt, dass er, bevor er in meinem Bauch war, schon eine ganze Weile bei uns unter dem Schreibtisch gesessen hat. Unsichtbar. Ich mag diese Sicht so sehr – diesen Gedanken, dass die Übergänge zwischen ’noch nicht hier, hier und nicht mehr hier‘ fließend sind.
    Tage, Wochen, Monate, Jahre, die lassen sich in Kalendern abstreichen – aber miteinander verbrachte Zeit, die ist nicht messbar, so wie wir das kennen. Sie ist eine eigene Einheit, die nicht errechenbar ist, … die keinen Unterschied macht zwischen Diesseits und Jenseits. Anfassbar und nicht (mehr) greifbar…
    Du machst das so richtig, diesen Tag so gut das eben geht, links liegen zu lassen. Er ist ein mathematisches Schmerz-Konstrukt.

    Aber Dein wieder könnendürfenmüssen – und das was Du daraus entstehen lässt, das ist ganz wunderbar. Die Zeichnung ist ganz wunderwarm schön!

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  2. Er sieht so stark aus dein Nils, so wie „Ach komm schon Mama, du weißt, dass ich immer da bin und du schaffst das!“, irgendwie so, wie ich es schlecht beschreiben kann. Ich sende dir und euch viele liebe Grüße, Energie und dicke gelbe Sonnenstrahlen!
    Dörte

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  3. Uff, mit Schnupfnase und Fieberkopf erstmal ne Runde geheult.
    ….ich freu‘ mich so!!! Nils zu sehen…
    Schnief. Wo sind denn meine Taschentücher…

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  4. Irgendwie hört die zeitrechnung auf einmal auf, schien sie mal so wichtig, bekommt sie plötzlich ein ganz anderes Gesicht, ich mag es nicht, mag nicht rechnen, manchmal bekommt man dennoch einfach vorgerechnet, puuuh. aber hey Zeitrechnung vielleicht warst Du nie so wichtig, wie Du denkst, vielleicht sind es eben nur die Herzmomente die wir in sie hinein packen.
    Millionenjahre Herzmomente habt ihr zwei Beiden gesammelt, Nils und Du. so siehts aus.

    obwohl ich Euch nicht kenne, hab ich Bilder von Nils im Herzen, hat mich der Blick den Du geteilt hast schon immer tief berührt, wieso wusste ich nie, war einfach so, viel gelacht, gejuchzt, gestaunt, geweint. Jede Zeichnung, jedes Foto von Nils strahlt soviel aus, ist eben Nils. Dein Nils mit seiner ganz eigenen Zeitrechnung und hach seine Antwort würd ich zu gern hören, ach Mama ….

    Ich freue mich Euch beide zu sehen!
    Herzensgruß,
    Silke

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  5. Tolles Bild. Wunderschönschmerzlich. Nils und Du. Ihr beide. Liebe!

    Liebe Melanie, Du hast in allem Recht. Danke fürs Teilen. Zeit und Zahlen werden absolut überbewertet.
    „Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind eine Illusion. Gestern und Morgen sind eins. Zeit existiert nicht.“ Hab ich irgendwo gelesen. Gefällt mir. Alles nur Jetzt-Momente. Mein Jetzt-mit-Kind-Moment ist immer präsent – egal ob eine Woche oder 6 Jahre per linearem Gedankenprozess „vergangen“ sind. Seither kenne ich die Jetzt-mit-ohne-Kind-Momente. Ändert nichts. Und doch… Gestern und Morgen sind eins. Unser gegenwärtiges Weltbild ist ein Konstrukt, das sich an wissenschaftliche Methoden klammert. Spirituelles, Nicht-Messbares wird als Spinnerei abgetan. Dem setze ich frech entgegen: Eltern im Jetzt-mit-ohne-Kind-Moment wissen es besser.
    Fühl Dich verstanden und herzlich gedrückt!

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  6. ich bin so froh, dass ich nils einen tag kennenlernen durfte. er ist so tief in mir verankert, da spielen stunden oder andere zahlen überhaupt keine rolle.
    ich freue mich, dass du ihn wieder zeichnen kannst. und das so wunderbar, so sehr berührend.
    ganz liebe grüße
    mano

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  7. O Mann. Dazu konnte ich vorhin nichts schreiben. Kann ich irgendwie immer noch nicht. Nee, Zahlen wissen gar nichts. Überhaupt komplett gar nichts. Und wie gut, dass Du ihn wieder zeichnen kannst. Virtuelle Umarmung, wenn Du magst. Mir fällt immer noch nicht viel dazu ein. Oder zu viel. Jedenfalls wissen Zahlen wirklich, wirklich überhaupt nichts, und sie spielen keine Rolle. Es ist ja auch unbegreiflich, dass man wirklich dagewesen sein soll, bevor es die eigenen Kinder gegeben hat. Also dass es sie dann wirklich noch nicht gab. Geht nicht. Sie sind rückwirkend schon immer dagewesen und bleiben auch für immer, vom ersten bis zum letzten Tag. Fertig. Ist einfach so.

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