7. März

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Wie das so ist bei Skizzenblättern. Immerhin trifft ihn eine Zeichnung recht genau.
Rechts oben.
Habe noch nie was über Henri geschrieben hier….
Und jetzt auch keine Zeit mehr.
Na gut, eine Kleinigkeit:
Er bringt mir meine Hausschuhe, wenn wir reinkommen. Einfach so. Naja… meistens nur den einen.
Aber den schleudert er mir jedesmal entgegen, während ich mir noch die Stiefel ausziehe.
Guter Hund.

4. März

 

Das Getüm.jpg

Wir in Berlin und Brandenburg haben heute nicht frei, wegen Fasching.
Ich feiere das, weil ich kein Karnevaltyp bin.

Einmal bin ich zum Fasching in der Schule als Getüm gegangen.
Das Kostüm war perfekt, mit roter Kindergartentasche,
in dem ein riiiesiges Taschentuch drin war.
Nachdem mir zum hundertsten Mal gesagt wurde, was für ein hübscher Drache ich wäre,
woraufhin ich jedesmal zurück zischte, ich wäre kein Drache,
sondern DAS GETÜM,
war meine Laune unterirdisch.
Alles Idioten, die nie die weltbeste Schallplatte gehört oder das Buch gelesen hatten.

 

2. März

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Als ich in der ersten Klasse war, bin ich alleine mit dem Bus durch Berlin zur Schule gefahren.
(fast alleine, meine Mama meint, sie beschattete mich eigentlich heimlich…aber egal.)

Einmal, auf dem Nach-Hause-Weg saß ich vorne auf dem Vierer, umringt von Omis.
Meine Beine reichten noch nicht bis auf den Boden.
Mir gegenüber war ein Junge, der war schon richtig groß, ungefähr vierte Klasse.
Er streckte mir permanent die Zunge raus und ärgerte mich den ganzen Weg lang.
Vielleicht dachte er, er könne mich einschüchtern oder zum Weinen bringen.

Irgendwann holte ich mit einem feinen Schwung aus, zielte, und trat ihn wortlos volle Karacho vors Schienbein.
Seinen erstaunten Blick werde ich nie vergessen.

Und auch nicht mein Gefühl, als ich dann aufstand und nach hinten zum Ausstieg ging.
Mich recken musste um den Stop-Knopf zu drücken und wartete, bis der Bus hielt und sich die Tür öffnete.
Ich spürte die Blicke der Omis, die nicht strafend, sondern voller Respekt waren.
Klar zitterten mir draussen die Knie, aber ich fand mich auch echt gut.

Ich halte nichts von Gewalt, auch nichts von Treten oder Schlagen.
Aber viel davon, sich überhaupt gar nichts gefallen zu lassen.

25. Februar

Pussifertig

Probleme.

„Sie nerven so!
Seit über zehn Jahren gehen sie mir auf die Nerven!
Sie wollen sich nicht ändern, oder?
Sie wundern sich, dass ich sie nicht mag?
Wagen sie nie wieder, zu erzählen, sie könnten es nicht ertragen, dass ich sie nicht mag.
Niemand mag sie!
Aber das können sie wohl nicht gut haben.

Ihr Problem, wenn sie ihre Hunde freilaufen lassen!“

Jetzt, wo ich es so aufgeschrieben habe, klingt es lustig, ist es aber in echt nicht.
Warum darf sie frei rumlaufen?

16. Januar

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Seit ich in der Pubertät mit Kreislaufsachen zu tun hatte, dusche ich morgens erst normal, dann eiskalt zum Schluß.
Egal, wie ich mich fühle, mache ich  i m m e r  .
(außer schwanger, da nicht.)

Heute dachte ich:
Mit dem Kreislauf hat das nix mehr zu tun.
(Pubertät ist auch schon ne Weile her)

Für mich ist es ein Moment, in dem ich mich selber der Kälte ausliefere,
grausam, gnadenlos, unerbittlich. Ich mag das.

Den winzigen alltäglichen Mut, das warme Wasser auszustellen, die Überwindung,
das kurze Aushalten und wenn der Schmerz nachlässt. Dann gehts.

15. Januar

 

willkommen
„Wo Arme überall rauswachsen können.“

Mein nicht gefasster Vorsatz, im neuen Jahr wieder täglich eine Zeichnung oder sowas  zu veröffentlichen, um in diesen feinen Blog-Flow zu kommen, ist nun schon fünfzehn Tage nicht alt.

Habe übrigens letztens eine schöne Formulierung für Neujahrsgrüße bekommen und für mein Leben übernommen:
Willkommen im neuen Jahr.

Willkommen!

13. 12. 2018

Scan 47.jpg
Nach dem Aufwachen denke ich oft kurz Gedanken,
die sich im Laufe des Tages verflüchtigen.
Den hier habe ich mir aber gemerkt.
Was, wenn Leute denken: Ist die stark.
Wie die es schafft, ihre Trauer auf diese positive Art zu verarbeiten,
soviel Licht zu zeichnen, inzwischen alles im Griff zu haben.
Was, wenn jemand denkt, die profitiert sogar davon? In jeder Hinsicht?
Also kreativ und geschäftlich gesehen.
Denkt euch lieber nichts. Denn irgendwie stimmt das alles und auch alles nicht.
Hat mich keiner gesehen, gestern bei der Post, als im Hintergrund an einer Kasse ein etwa dreijähriges Mädchen einen Trotzanfall bekam und wie um ihr Leben schrie.
Ihre Mutter kühl und souverän gar nicht drauf reagierte.
Es brüllen ließ.
Vier Minuten lang.
Und ich fast zusammengebrochen bin.
Zitternd, mit Schnappatmung und Augen, aus denen Wasser rauslief.

Ein Glück war da ein Hocker.
Und die Postmitarbeiterin so fein klassisch
vorweihnachts-brandenburg-deutsche-post-unfreundlich,
dass ich mich schnell beruhigt habe.