21. April

Kohortenjumpsuit

Natürlich bin ich solidarisch mit all den #coronaeltern.
Selbstverständlich sollen sie alle laut schimpfen, um politisch was zu bewegen.

Sorry für die Fresse gestern.
Ich habe leider im Moment außerordentlich schlechte Laune, die ich eigentlich nicht mehr so sehr gern hier verteile. (außer sie fällt auf den Zwölften)
Gemeckert wird sowieso viel zu viel zu viel.

Seid froh drüber.

Ob die schlechte Laune mit den Zeiten wie diesen zusammenhängt,
glaube ich übrigens nicht.
Kann auch sein, dass es normale Frühlingsbefindlichkeit ist.
Der sechswöchige Sonnenschein, der langsam nervt.
Ausserdem kriege ich Werbung für Gesichtsyoga zur Verringerung von Doppelkinnen auf mein Handy.

Da dachte ich, ich zeichne das Problem mit meinem oberbequemen, superangesagt und echt très chic aussehenden Overall, den ich sehr liebe und gestern nach Wochen wiedergefunden habe. Er hatte sich im Schrank versteckt.

Bleibt tapfer.

23. März

Norbert

Was ich nervig finde:

Jammern darüber, dass man an sozialer Distanz leidet.

Jammern über Kinderbetreuung, die man voll anstrengend findet.

Jammern über den Stress vom Homeschooling.

Jammern über zu viele Corona-Witz-Videos.

Sechs von zehn Corona-Witz-Videos.

Und ja: Ich habe es gut.
Könnte trotzdem über das ein oder andere jammern, will ich aber nicht.
Nicht jetzt, wo Alle echte Gründe zum Jammern haben.

Was ich liebe:

Den täglichen Fest und Flauschig Podcast.
(der mich solche albernen Bilder zeichnen lässt)
Und Pferde.

Meine mitmutigen Gedanken allen, die Angst haben, chronisch krank und oder immungeschwächt sind,
oder die in unglücklichem, schlechten oder gewalttätigem Umfeld leben,
oder irgendwie sonst in Not sind.
Die jammern hoffentlich bitte bitte laut und rufen um Hilfe.

21. März

Scan 1

Eine Woche rum und mein Vorsatz, mehr zu posten eine Woche alt.
Corona, Corona, Corona.
Ich lese und denke nichts anderes.
(Und euch bleibt es jetzt auch hier nicht erspart!)
Der Alltag ist bei uns nicht schwer oder anstrengend oder mühsam.
Die Kinder sind groß, fröhlich (ein Glück!) und bemühen sich, ihre Aufgaben so gut wie möglich zu erledigen.
Ich bin allerdings auch nicht sehr streng als Homeschoolaufsicht.
Die machen das schon.
Arbeite währenddessen an meinem Buch über Tod, Wut und über Mut und frage mich,
ob irgendwann irgendjemand diese Geschichte lesen will. Dann.

Ich hatte gefühlt als erstes Angst.
Als noch alles normal lief und man sich nur kopfschüttelnd die hamsternden Panikmacher ansah.
Sich an den Kopf fasste und alles voll übertrieben fand.
Da kriegte ich schon Angst.
Ich machte Seiten bunt, die ein Krankenhaus beschrieben, in dem Kinder sterben, weil niemand aufpasst.
Ich überlegte, wie dasselbe Krankenhaus und all die anderen mit mehr als zehn sehr schlimmen Fällen gleichzeitig zurechtkommen soll.
Ich traue ihnen keine zwölf zu!
Ich habe wortwörtlich keine Luft mehr bekommen, während die Nachrichten aus Italien dramatischer wurden und die ersten Erkrankten in Deutschland bekannt wurden.
Bin aufgewacht und eingeschlafen mit dem Gedanken: Ohnein, ohnein, bitte nicht.

Jetzt geht es besser.
Jetzt, wo ich weiß, es w i r d gruselig schlimm, es i s t schon verrückt schlimm.
Und die meisten es endlich begriffen haben.
Eins, das ich gelernt habe, und ich muss ja was gelernt haben, wenn ich einen dicken Schinken darüber geschreibzeichnet habe, wie man in der größtmöglichsten Schrecklichkeit Dinge findet,
die einen am Leben lassen, ist: (und ich wende es erneut relativ erfolgreich an…)

Wenn was ist, wie es ist, dann ist es so und man kann alles schaffen.
Von irgendwo kommt immer ein kleines Fitzelchen irgendwas angeflogen,
das man nur aufheben, hochhalten, feiern und nutzen muss.
Als Mutmacher. Weiterleber. Aufrechtsteher.
Ich zitiere mich mal selber: (hehe)

„Die Glut bleibt, egal, was passiert.
Man muss nur weiteratmen. Lieben. Ohne Angst.
Es ist anstrengend, sie anzupusten, damit sie funkt und vielleicht irgendwann wieder brennt, aber man kann es schaffen.
So ist das.“

Mit dem Glück, mit der Trauer und mit einer Weltkrise auch.
Irgendwann wird es etwas besser. Kann Jahre dauern, wird aber.

Georg ist Arzt.
So wie es aussieht, wird der Tag kommen, an dem er eingezogen wird,
um zu helfen, und zwar rund um die Uhr und ohne zwischendurch nach Hause kommen zu können.
Er will das sogar, hat die Kraft und wird das schon schaffen.
Ich bete trotzdem, dass ein kleines Wunder passiert.

Und das jetzt endlich alle zuhause bleiben für eine Weile.

17. Februar

Laugenecken
Beim Bäcker ist es leer, ich bin ziemlich früh, das bedeutet, die Auswahl an Brötchen ist noch groß, eine Stunde später kann es passieren, dass man warten muss, bis der letzte Schwung Schrippen aus dem Aufbackofen kommt.

Ich kenne den Bäcker, seit er eröffnet wurde,
vorgelagert in einem Discounter, der Sonntags aber natürlich zu ist,
daher abgetrennt durch ein Metallgitter.
Ich kenne die Verkäuferinnen.
Ich kenne die Brötchensorten, den Geruch, das Licht und den Parkplatz zu jeder Jahres- und Tageszeit.
War hier schon mit zwei, drei, wechselnde Besetzungen, auch mit allen vier Kindern.

Sehr oft mit dem einen Kind, nachdem wir seinen großen Bruder zur Schule gefahren haben,
bevor es weiterging zur Tagesmutter.
Immer ein Rosinenbrötchen, immer hob ich Nils hoch und immer bezahlte er ganz alleine und bekam das Brötchen direkt in seine immer kleine Hand.

Ich denke jedes Mal daran, wenn ich an der Verkaufstheke stehe.

Ich bezahle gerade, als sich die Tür öffnet und ein Vater mit Kind eintritt.
Kleiner Junge, drei Jahre etwa, scanne ich versiert und konzentriere mich auf meine Tüten.
Ausgerechnet. Örgs.
Die Verkäuferin bewundert den glitzernden Plüschfisch in der kleinen Hand.
Kleine Hand.
Schnell weg, ich stecke mein Portemonnaie ein.

„Zwei Laugenecken bitte…. Oder sind die etwa… schon alle?!“ fragt der Mann.

„Just gerade von der Dame vor ihnen…“,
sie nickt lachend in meine Richtung, „… weggekauft.“

Ich greife meine Sachen.

„Na sowas“, entrüstet sich der Vater, gespielt verärgert.
Aber er ärgert sich echt, ich merke das.

Ich grinse irgendwie entschuldigend, versuche nicht aufs Kind zu treten,
weil ich in solch einem Fall nur den Bereich Ü-Halbermeter-Erdoberfläche überblicke und gehe Richtung Tür.

„Glück muss man haben, was?“ wirft er mir hinterher und dann: „Wohl bekomms!“
Das klingt ein bisschen so, als würde er es anders meinen.

Aber ich antworte nichts mehr, finde mein Auto auf dem leeren,
auf unserem appsssoluten Lieplingspatplatz und weine und denke an Glück.

Daran, dass es echt nicht gerade mein größtes Glück ist, ihm seine zwei Scheiß-Brötchen weggeschnappt zu haben.

Ihm, der gleich sicher seinen Sohn hochhebt, damit der irgendein Gebäckteilchen in seine kleine Hand gelegt bekommt.
Konnte ich ihm nicht sagen, dass er hier der Glückspilz ist, dem .

Dafür hab ich ganz leckere Laugenecken im Sack.

4. Februar

Justitiapreview

 

Wenn es das Gerichtsgebäude ist, „ist es eigentlich viel zu schön gezeichnet“,
merkte eine liebe Kommentatorin an, als ich diese Zeichnung bei Instagram postete.

Ach- dachte ich. Echt?
Und: Mmmh. Interessant.

Ich habe das Gerichtsgebäude heute tatsächlich mit viel Sorgfalt richtig nett gezeichnet,
auch wenn es dies im Zusammenhang der Geschichte vielleicht nicht verdient hat.
(wobei- das Gebäude kann ja wirklich nix dafür, aber ich weiß, wie sie das meinte)

Aber es ist so, dass ich einfach wunderschön zeichnen w i l l und m u s s ,
ich kann gar nicht anders.
Denn erstens steckt in jeder einzelnen Seite dreihundert Kilo meiner Liebe und
zweitens würde das Buch keiner lesen wollen, wenn es scheisse aussieht.

Und: Das Böse erkennt man, keine Sorge.
Sogar stärker, wenn es schön ist.

14. Januar

erinnern.jpg

Was ich heute so rumdachte.

Er- Innern.  Kommt das von innen?
Kann man Erinnerungen falsch erinnern?
Sind Erinnerungen verkehrt, wenn Zeit sie verändert?
Ist es wichtig, Erinnerungen festzuhalten oder dürfen sie sich ruhig bewegen?
Winden sie sich aus zu fester Umarmung?
Nutzen sie sich ab?
Bleiben sie in echt lebendig?
Zweidimensional? Oder drei? Oder multi?

Wie nett, dass der Klecks sich im Scan als Herz entpuppt.