Glücklich-Platz


Die Wiese, wo die Pferde stehen ist mein Glücklich-Platz.
Happyplace sagt man ja.

Der Ort, an den man sich denkt, wenn not ist.
An dem man alle Not nicht mehr denkt.
Hier ist es so leicht gar nichts zu denken.

Ja, manchmal gibt es Sorgen um die Pferde, manchmal doofe Dinge wie zugefrorene Pfützen,
ein schimmeliger Heuballen oder ein dickes Ponybein.
Aber nichts, was unnötig ist, wird gedacht.

Die Menschen, die sich hier einfinden, möchten Zeit mit und bei ihren Pferden verbringen.
Ich habe und kenne keinen Ort, wo Zusammensein so unkompliziert ist.
Vielleicht ist es das Besondere an unserer Wiese, dass wir dort unkompliziert sind.
Uns alle respektieren, schätzen und lassen, wie wir sind.
Niemand muss hier was.
Unsere Leben bleiben zuhause, wir sind nur „am Stall“.
Mit den Pferden, sonst nichts.

Wie dankbar ich bin, für diesen Zustand, der uns allen so viel Raum gibt.
Für die Frauen, die mir in dieser Weise ähnlich sind.
Ganz anders sind, und doch gleich, an dem Platz.

Die Wiese ist der Ort, an dem ich vergesse, was sonst so ist.

Nun haben drumherum gerade Neid, Verletzung, Egoismus und Zorn Einzug gehalten,
Pferdefrauenrealitäten sind zugezogen, Grenzen sind entstanden, wo vorher Luft war.
Mein Gut-Ort ist nicht mehr leicht zu erreichen.
Er ist es nicht mehr.

Was, wenn ich ihn jetzt verliere, weil ich dort zu viel Blödes fühle?
Wie schaffe ich es, wieder nichts zu fühlen?
Wie wieder die Leere dort zu haben, die ich so brauche?

Ich schlafe ein mit den Gedanken darum und ich wache auf mit ihnen.

Und dann ärgere mich über mein Luxusproblem.
Meine Güte- Es ist nur eine Wiese.
Ist es?

Buddelkiste

Als ich mein Instagram vom Handy entfernt habe, für eine Pause, habe ich nach etwas gesucht, einem Bild oder Beispiel, dass ein guter Vergleich sein könnte um mir zu erklären, warum diese Pause jetzt echt mal sein muss.

(Ich musste dafür einigermaßen weit in die Vergangenheit reisen)

Ich sitze in der Buddelkiste und mache Sandkuchen. Richtig schöne, sie gefallen mir sehr und sehen schön aus, ich verziere sie mit Gänseblümchen und Zierapfelscheibchen, die ich mit einem scharfen Stein schneide. Sie sehen aus wie echte kleine Kuchen und ich spiele, dies wäre mein Laden.

Andere Kinder spielen mit, wir bauen und backen zusammen, eine Idee jagt die nächste, wir bewundern gegenseitig unsere Kuchen und Klöße und Ladentheken, wir lachen und haben tausend Ideen und Spaß.

Irgendwann ist die Buddelkiste voll.

Ich sitze mittendrin und gucke und staune und sehe Megasandburgen, Tunnel, Löcher, Bauwerke, Murmelbahnstraßen und Kuchen in Formen und Farben, wie ich sie NIE selber hätte machen können. Welten entstehen da. Ganz tolle.
Auch sehr viel Mist, doch selbst der ist faszinierend.
Alle diskutieren und streiten und verbünden und entzweien sich.
Es wird geschrien, geheult, gejohlt.
Mein Mund steht offen, ich vergesse zu blinzeln und die Zeit und glotze und starre und mache sonst nix mehr.
Den ganzen Tag erstmal nicht.

Und dann jeden Tag, ich gehe trotzdem hin, denn vieles ist im Entstehen, geht weiter, wie eine Serie, ich kann kaum hinsehen, aber auch nicht weg.
Ich habe meinen festen Platz da, mache ab und zu einen meiner Kuchen und dann rufen viele:
OOOh! Wie herzig! Du bist sooo super!
Das ist schön und dann lasse ich mich in den Sand sinken und.
Meine Güte, bin ich müde. Erstmal gucken. Gucken, gucken.

So ungefähr fühlt sich das an.

Ich vermisse die Buddelkiste zwar irgendwie, irgendwie aber auch nicht.
Die Stille ist schön.
Zwar bewundert keiner mehr jeden Tag meine Sandkuchen, aber egal: Haha, ich habe ja noch meinen eigenen kleine Spielplatz hier, ich Schlaumeierin. Chacka.

(weil mein Scanner im Büro ist, musste ich die Sandkuchen aufm Ipad zeichnen.)

14. November

 

Letztens dachte ich mal drüber nach, wie oft wir gesagt kriegen,
das wir echt stark sind.
„Du bist so stark.“
Ich höre das nicht ungern, nein!
Stark ist ein super Wort und ich finde mich selbst oft richtig stark.
(Dann, wenn ich mich von außen betrachte, mit Erstaunen)
Aber auch letztens, da dachte ich:
„Hart“ trifft es manchmal eher.
Sieht stark aus, ist aber nicht unzerbrechlich,
undurchdringlich und was innen ist, kann niemand wissen.
Meist Hohlnis, hehe.

 

 

7. Juli

Fantasie

Ich weiß gar nicht mehr, wann mir Tinee von siebenmorgen diesen Druck geschenkt hat.
(Es gibt ihn in limitierter Auflage in ihrem Shop zu kaufen!) 
Schon lange her.

Aber nachdem ich ihn erst vor allem einfach schön fand, wurde er irgendwann einer meiner Leitsätze für das Buch.
Und eine Lebenseinstellung. Oder umgedreht.

Danke, liebe Tinee!
Natürlich kommt er vor, auf Seite…..198-199.
Er hängt direkt neben Gretas gelbem Himmel.

 

 

 

 

30. Mai

disussion

Gestern bin ich tatsächlich in eine Minidebatte in der Kommentarfunktion bei Facebook geraten, die ich nicht geneigt war, weiterzuführen. Zu anstrengend.
Da mir aber Überheblichkeit und fehlende Argumente vorgeworfen wurden, musste ich nun doch noch vorm Frühstück meine Antwort aus dem Kopf aufzuschreiben.
Hier traue ich mich, sie zu veröffentlichen, drüben sind mir die Reaktionen zu übergriffig, bin ich ganz ehrlich.
Natürlich! Dürft ihr in den Kommentaren darüber offen und respektvoll eure Meinung schreiben, keine Scheu!
Also:

…..
Ich werde immer alles aus der Perspektive des Kranken und seiner Angehörigen sehen.
Ich werde immer dafür sein, jede Möglichkeit, Leben zu retten, wahrzunehmen,
wenn es eine gibt.
Ich werde immer denken, ein Mensch, egal wie alt, egal wie vorerkrankt, egal ob er sowieso irgendwann sterben muss, ist wichtiger als alles sonst.
Ich werde immer alles in Kauf nehmen, um andere vor Krankheit zu schützen.
Auch wenn es mich selbst zeitweilig einschränkt.
Persönliche Freiheit ist jedem Einzelnen gegeben.
Immer, in ganz individueller Form.
Er kann sie aber bitte unterzuordnen, wenn Schwächere bedroht sind.
Das ist für die einen leicht, für andere superschwer.
Natürlich. Wie alles.
Das Brüllen nach Freiheit, die Angst unterdrückt zu werden, der Egoismus von Leuten, die glauben, sie sind im Recht, nur weil sie angeblich weiter denken als andere, geht mir deshalb wahnsinnig auf die Nerven, weil die vor allem eins sind: IchIchIch.

Ich habe so ein Ding mit Ärzten. Eins mit dem Gesundheitssystem, mit Wissenschaftlern und auch mit dem Tod.
Mein „Trigger“, wenn man so will  ist folgendes Zitat, das uns mal von einem Staatsanwalt geschickt wurde:

„Angesichts dieser Sterblichkeitsraten kann nicht davon ausgegangen
werden, dass das Leben von Nils hätte gerettet werden können.“

Und das ist nachweislich nicht wahr gewesen.
Und deshalb werde ich immer davon ausgehen, dass Leben gerettet werden kann.
Weil es immer um einzelne Menschen geht. Nicht um Raten oder Zahlen.
Nicht ums Recht-Haben.
Und nicht um Dichdichdich.

Und ja: Meinemeinemeine Meinung.
Aber immer flexibel.
 

 

 

 

 

21. April

Kohortenjumpsuit

Natürlich bin ich solidarisch mit all den #coronaeltern.
Selbstverständlich sollen sie alle laut schimpfen, um politisch was zu bewegen.

Sorry für die Fresse gestern.
Ich habe leider im Moment außerordentlich schlechte Laune, die ich eigentlich nicht mehr so sehr gern hier verteile. (außer sie fällt auf den Zwölften)
Gemeckert wird sowieso viel zu viel zu viel.

Seid froh drüber.

Ob die schlechte Laune mit den Zeiten wie diesen zusammenhängt,
glaube ich übrigens nicht.
Kann auch sein, dass es normale Frühlingsbefindlichkeit ist.
Der sechswöchige Sonnenschein, der langsam nervt.
Ausserdem kriege ich Werbung für Gesichtsyoga zur Verringerung von Doppelkinnen auf mein Handy.

Da dachte ich, ich zeichne das Problem mit meinem oberbequemen, superangesagt und echt très chic aussehenden Overall, den ich sehr liebe und gestern nach Wochen wiedergefunden habe. Er hatte sich im Schrank versteckt.

Bleibt tapfer.

23. März

Norbert

Was ich nervig finde:

Jammern darüber, dass man an sozialer Distanz leidet.

Jammern über Kinderbetreuung, die man voll anstrengend findet.

Jammern über den Stress vom Homeschooling.

Jammern über zu viele Corona-Witz-Videos.

Sechs von zehn Corona-Witz-Videos.

Und ja: Ich habe es gut.
Könnte trotzdem über das ein oder andere jammern, will ich aber nicht.
Nicht jetzt, wo Alle echte Gründe zum Jammern haben.

Was ich liebe:

Den täglichen Fest und Flauschig Podcast.
(der mich solche albernen Bilder zeichnen lässt)
Und Pferde.

Meine mitmutigen Gedanken allen, die Angst haben, chronisch krank und oder immungeschwächt sind,
oder die in unglücklichem, schlechten oder gewalttätigem Umfeld leben,
oder irgendwie sonst in Not sind.
Die jammern hoffentlich bitte bitte laut und rufen um Hilfe.

21. März

Scan 1

Eine Woche rum und mein Vorsatz, mehr zu posten eine Woche alt.
Corona, Corona, Corona.
Ich lese und denke nichts anderes.
(Und euch bleibt es jetzt auch hier nicht erspart!)
Der Alltag ist bei uns nicht schwer oder anstrengend oder mühsam.
Die Kinder sind groß, fröhlich (ein Glück!) und bemühen sich, ihre Aufgaben so gut wie möglich zu erledigen.
Ich bin allerdings auch nicht sehr streng als Homeschoolaufsicht.
Die machen das schon.
Arbeite währenddessen an meinem Buch über Tod, Wut und über Mut und frage mich,
ob irgendwann irgendjemand diese Geschichte lesen will. Dann.

Ich hatte gefühlt als erstes Angst.
Als noch alles normal lief und man sich nur kopfschüttelnd die hamsternden Panikmacher ansah.
Sich an den Kopf fasste und alles voll übertrieben fand.
Da kriegte ich schon Angst.
Ich machte Seiten bunt, die ein Krankenhaus beschrieben, in dem Kinder sterben, weil niemand aufpasst.
Ich überlegte, wie dasselbe Krankenhaus und all die anderen mit mehr als zehn sehr schlimmen Fällen gleichzeitig zurechtkommen soll.
Ich traue ihnen keine zwölf zu!
Ich habe wortwörtlich keine Luft mehr bekommen, während die Nachrichten aus Italien dramatischer wurden und die ersten Erkrankten in Deutschland bekannt wurden.
Bin aufgewacht und eingeschlafen mit dem Gedanken: Ohnein, ohnein, bitte nicht.

Jetzt geht es besser.
Jetzt, wo ich weiß, es w i r d gruselig schlimm, es i s t schon verrückt schlimm.
Und die meisten es endlich begriffen haben.
Eins, das ich gelernt habe, und ich muss ja was gelernt haben, wenn ich einen dicken Schinken darüber geschreibzeichnet habe, wie man in der größtmöglichsten Schrecklichkeit Dinge findet,
die einen am Leben lassen, ist: (und ich wende es erneut relativ erfolgreich an…)

Wenn was ist, wie es ist, dann ist es so und man kann alles schaffen.
Von irgendwo kommt immer ein kleines Fitzelchen irgendwas angeflogen,
das man nur aufheben, hochhalten, feiern und nutzen muss.
Als Mutmacher. Weiterleber. Aufrechtsteher.
Ich zitiere mich mal selber: (hehe)

„Die Glut bleibt, egal, was passiert.
Man muss nur weiteratmen. Lieben. Ohne Angst.
Es ist anstrengend, sie anzupusten, damit sie funkt und vielleicht irgendwann wieder brennt, aber man kann es schaffen.
So ist das.“

Mit dem Glück, mit der Trauer und mit einer Weltkrise auch.
Irgendwann wird es etwas besser. Kann Jahre dauern, wird aber.

Georg ist Arzt.
So wie es aussieht, wird der Tag kommen, an dem er eingezogen wird,
um zu helfen, und zwar rund um die Uhr und ohne zwischendurch nach Hause kommen zu können.
Er will das sogar, hat die Kraft und wird das schon schaffen.
Ich bete trotzdem, dass ein kleines Wunder passiert.

Und das jetzt endlich alle zuhause bleiben für eine Weile.