4. Juli

Habe ein feines Seminar gefunden: Guckt mal hier.

Ich biete den Teilnehmern vielleicht an, in einer praktischen Zusatzübung die gängigen Floskeln: Herzliches Beileid, Es tut mir leid, mein Mitgefühl und so, an mir persönlich zu üben.

Würde mich da stundenweise im Anschluss an die Veranstaltung zur Verfügung stellen.
Vielleicht. Aber wäre ja auch wichtig, das zu lernen, finde ich.

Schwertversenkt

13. Juni

Letzten Sonntag habe ich ja beim Bücherpicknick im Volkspark Potsdam eine Art Malkurs gemacht. Also – Es sollte eine Lesung sein, ich durfte mir aber komplett alleine überlegen, was ich mache mit meiner Zeit (Danke dafür an die Veranstalter…).

Und ich wollte unbedingt was mit Rittern machen.

Ich habe was vorgelesen zu Beginn, das könnt ihr hier nun nachlesen.

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Ich will euch heute zeigen, wie ich Ritter zeichne und mit euch zusammen welche zeichnen.
Vielleicht kann ich euch ein paar Tipps geben, vielleicht habt ihr ja ein paar neue Ideen für Ritter, die ich noch nicht kenne.
Ich lese euch jetzt erst eine Mini-Geschichte vor, weil ich will, dass ihr wisst, wieso ich im Moment so verrückt danach bin, Ritter zu zeichnen, in allen Formen und Figuren.
Ist ja nicht so, dass wir hier nicht auch Pferde, Ponys oder Pippa Pepperkorns malen könnten zusammen….
Könnten wir auch- machen wir aber nicht.
Ausser vielleicht Ritterpferde und Ponys und Ritter-Pippas.
Also:
Als ich das letzte Mal hier in diesem Park war, eigentlich an genau derselben
Stelle wie jetzt gerade, da war mein kleiner Sohn Nils auch mit. Er war da drei Jahre alt. Das war  fast genau vor zwei Jahren, auch am Anfang vom Sommer.
Wir waren bei dem grossen Ritterfest, Nils, sein grosser Bruder Julius und ich.
Meine anderen beiden Kinder, Greta und Artur sind schon älter und die hatten etwas anderes vor.
Wir sind hier im Park rumgelaufen und haben uns alles angeguckt.
Und wir haben zwei Schwerter und zwei Schilde aus Holz gekauft und für Nils noch einen Helm.
Das war ein wunderschöner Tag, die beiden Jungs sind barfuss auf den Wiesen rumgerannt und haben wild gekämpft.
Am nächsten Tag sind wir ins Krankenhaus gegangen, denn Nils war krank.
Nicht normal krank, wie alle Kinder mal krank sind, er hatte eine Leukämie, das ist Krebs im Blut.
Klar hatten wir im Krankenhaus das Schwert und den Schild immer dabei.
Und er war auch sehr tapfer, tatsächlich wie ein echter Ritter.
Er musste viele Dinge machen, die weh tun, Angst machen und nicht schön sind.
Alleine diese riesigen Tabletten zu schlucken war eine Mutprobe, die er jeden Tag machen musste.
Ihr ahnt es schon.
Nils ist kurze Zeit später noch im selben Sommer gestorben.
Das ist ganz plötzlich passiert. Niemand hatte damit gerechnet.
Man kann nicht erklären, wie es sich anfühlt, wenn jemand stirbt, den man so sehr geliebt hat.
Vielleicht kennt es jemand von euch, oder ihr kennt jemanden, der es kennt.
Man ist traurig und unglücklich und findet den Tod sehr sehr grausam und ungerecht.
Es ist die allergrösste Ungerechtigkeit der ganzen Welt.
Wir haben ziemlich viel gekämpft in der letzten Zeit.
Und wir haben das auch ganz gut hingekriegt.
Mit viel Hilfe von Freunden und unserer Familie und unseren Tieren.

Wir hatten auf unserem Friedhof, wo Nils seinen Platz hat, ein Rotkehlchen,
das eine Zeitlang immer da war, wenn wir kamen.
Als würde es uns kennen und begrüssen. Eigentlich hat es nicht viel gemacht,
aber wir mussten jedes mal lachen, wenn es auftauchte.

Das war mein erster kleiner Ritter, der für und mit uns gegen die Traurigkeit kämpfte.
Dann mein weisses Pferd Viento. Auf ihm ist Nils früher samt Laserschwert durch den Wald geritten und wollte Wildschweine bekämpfen.
Zack, das erste Ritterpferd. Er hat mich sehr oft getröstet.
Tinka, unsere kleine Ponydame, ist auch eine richtige Ritterin, stolz und stark. Sie würde alles tun, um Greta, Nils grosse Schwester, froh zu machen.

Ich fing also an, in dieser letzten Zeit, fast jeden, der mithilft, die Welt etwas heller zu machen, im Kopf und dann auf Papier in  einen Ritter zu verwandeln.
Vielleicht ist das ein bisschen verrückt, aber es funktioniert irgendwie.
Weil es einen erstmal zum Lachen bringt- und Lachen ist immer gut-
und weil es auch eine kleine Wahrheit enthält. Ganz alleine schafft man es nicht, grosse Ungerechtigkeiten oder grosses Unglück zu besiegen. Da  braucht man ein ganzes Heer an Freunden und Wegbegleitern. Ob die nun echt, ausgedacht oder echt mit Helm sind, ist egal.
Hauptsache, man gibt nicht auf zu kämpfen.
Und ich glaube ja fest an den Satz: In der Fantasie geht alles. (Dank Tinee übrigens)
Deswegen:
Würde ich mich sehr freuen, wenn ihr Lust hättet, euch mit mir zusammen jetzt
die verrücktesten, mutigsten und lustigsten Ritter auszudenken und zu zeichnen.
Für in Situationen, wo man sie brauchen kann.
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Ritterbahnhof

Ob man Kindern sowas zumuten kann und sollte, war natürlich die Frage. Ich hatte drei Generalproben. Georg meinte….. mmmmh. Schwer. Meine Mutter meinte…. klar, unbedingt, du darfst bloss nicht so heulen wie jetzt dabei (Habichnicht). Die grossen Kinder hatten keine Lust, sich das überhaupt anzuhören…. und Julius, mein letzter Proband, und Malprobenversuchskind, der Erfinder der Ritterbohne (s.o.), der fand es …. super, Mama.

Guckt doch bitte mal, was für Ritter die Kinder gemalt haben. Die sind so so so cool. Danke.

30.märz

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Heute muss ich nochmal  ein bisschen was schreiben, wegen gestern. Ich sage allen Danke, die an uns gedacht haben. (manche kriegen auch noch Antworten, aber erst irgendwann) Das Minischild habe ich bei meinem Pferdespaziergang morgens gefunden, aber seine Wirkung hatte es gestern noch nicht entfalten können. Ich habe nicht nur komplett durchgeweint, ich habe das Universum einmal so laut angebrüllt, dass man es hoffentlich bis Berlin-Wedding gehört hat. Und alle Pferde scheuten. Upps. (ja, das war ich, und manchmal tut das gut)

Die Feder lag dann abends auf dem Weg. Immer diese Zeichen und die Interpretation derselben. Jaja. Aber als ich abends diese beiden Dinge vor mich legte, war ich irgendwie erleichtert und leer. Und bin es heute sehr. Erleichtert, dass der Geburtstag vorbei ist. Eine Freundin schrieb mir was vom langsamen Aufrichten nach diesen Tagen (speziellen Dank!). Genau so geht es mir heute. So ähnlich, nur mache ich eher so: Pling! Puh! Gerade! Leer.

Nächstes Jahr machen wir lieber irgendwas, statt Alltag, haben Greta und ich beschlossen, so wie im letzten Jahr, als wir ins Foltermuseum gingen. In Italien. Ablenkung ist besser. Onkologen klatschen wäre zum Beispiel witzig, oder zu Karls Erdbeerhof. Da fällt uns schon was Brutales ein.