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Letzten Samstag war wieder der Gedenktag für die verstorbenen Kinder der onkologischen Station der Charitè.

Greta wollte diesmal unbedingt mit und als wir so da saßen, während weitere gefühlt tausend Namen vorgelesen wurden, gerade nachdem wir unsere Kerzen für Nils schon angezündet hatten, merkte ich plötzlich, dass sie mich mit ihrer aufrechten Haltung fast um Kopflänge überragte.

Ganz kurz, bis ich mich dann ordentlich hingesetzt habe.

Aber ich könnte nicht stolzer sein auf ihren Mut und ihre Stärke in dem Moment.

Erinnert sich wer an den Text von demselben Tag in einem früheren Jahr, mit dem Arzt, der meine Hand nahm, sich entschuldigte und weinte?
Ich finde ihn selber nicht mehr….hatte ich ihn nicht hier gezeigt?

Wenn ja-Wo- Wann?
Hinweise gern an mich.


Von Jetzt und Freaks. Und vom Netz.

Bei der letzten Lesung wurde ich gefragt, was denn „Jetzt“ wäre.
Wenn in meinem Buch  „Von Tod und Wut. Und von Mut.“ die Rede ist, welches Wort als nächstes käme, würde ich die Geschichte weiterschreiben.

Ich fand die Frage gut und wusste keine Antwort.
Naja doch. 
Aber nicht wirklich.

Die nächsten Kapitel sind, vielleicht zum Glück, nicht besonders aufregend und daher kein Buch wert, das Leben geht so weiter und kein Wort wäre irgendwie passend, sagte ich, glaube ich.
Würde ich mir mal Gedanken dazu machen.

Und nun sitze ich hier, denkend, habe aber immer noch keine richtige Antwort gefunden.

Vielleicht ist die Frage falsch. Denn die Geschichte im Buch endet richtig.
Mit Mut und dem Punkt.
Trotzdem: Wie lebt es sich weiter? In echt?
Was geschah dann, wo bin ich jetzt und wie fühlt es sich an?
Sicher hat mich der Tod meines Kindes verändert.
Genauso sicher hätte mich jede Variante von Leben verändert.

Ich fühle mich oft nicht gut, aber bestimmt würde ich mich auch oft nicht gut fühlen, wäre all das nicht passiert.
Ich fühle mich auch oft gut, obwohl passierte was passierte.
Ehrlich gesagt frage ich mich sehr selten, wie sich „meine Trauer“ anfühlt,
weil sie nichts ist, was neben meinem Leben stattfindet.
Sie ist da drin.

Natürlich hat sie mich verändert, zum Guten wie zum Schlechten.

Aber hey- 
Wieviele Leute haben sich in der letzten Zeit zu Freaks entwickelt, ohne dass deren Kind starb?
Ich finde, da gehe ich fast noch.
Mal ganz subjektiv gesehen.

Die Trauer hat mich jedenfalls absolut nicht zu einem besseren Mitmenschen gemacht, nur weil ich tröstende Bücher mit lichten Dingen geschrieben und gezeichnet habe.
Sie hat mich immerhin nicht zerstört oder bitter gemacht.

Aber wer weiß.

Letztens sagte eine Person, mein Trauma wäre nicht ihr Problem.

Eines meiner recht neuen Probleme, die ich auf Trauer-nicht Trauma- zurückführen würde, sind Menschen,
deren Problem es ist, dass ich nicht ihres sein soll, ohne dass ich sie darum gebeten hätte.

Durch mein Netz fällt jetzt einfach viel viel mehr durch.
Es ist stark, hat aber große Löcher.


Das Streichholz

Die Geschichte, wie wir Viento die Kerze auf den Kopf setzten, den einen Tag, und wie ich abends mein erstes Kerzentier zeichnete und dann noch zwei und dann ganz viele, bis es 365 waren, für jeden Tag im Jahr eins, die kennen jetzt alle.
(Also die, die meine Bücher kennen, jedenfalls)

Es gibt aber noch die andere kleine Geschichte dazu, die ich zwar auch schon hier und da erzählt habe, die aber in der gekürzten Fassung rausfällt.

Denn kurz vor diesem einen Tag mit der Kerze hatte ein Freund,
der Künstler ist, die Idee, dass wir doch eine Ausstellung machen könnten,
in diesen Räumen, die geradezu danach schrien: Macht doch eine Ausstellung.

Und ich, die ich jegliche Jobs gecancelt hatte, die in diesen ersten Wochen nach seinem Tod trotzdem nicht wusste, wohin mit all dem, was in mir wütete, zwar wie wild schrieb und ichweißauchnichtmehrwas alles machte, fand die Idee gut, wusste aber leider gar nicht, was ich machen sollte.
Mir fehlte ein Thema, an dem ich entlang zeichnen konnte.
Mir fehlte vor allem mein Kind.
Aber dieser Freund ließ nicht locker, er legte, wir legten ein Datum fest. 
Sagte – Machen wir. 
Du zeigst Zeichnungen, ich mache Skulpturen.
Komm, das wird gut.

An dem einen Tag bei den Pferden war es bis zur Ausstellungseröffnung nicht mehr lang, aber ich wusste abends, ich werde 159 Kerzentiere zeichnen, genauso viele, wie die Tage, die dann vergangen sein werden, als Nils starb.
Die sollen leuchten, alle unsere Freunde und Besucher der Ausstellung sollen weinen, aber auch lächeln über die schönen, lieben netten traurigen Tiere.

Und genauso war das dann auch.
Und was daran so schön ist- Nie hat er gedrängelt, dieser Freund. 
Nie genervt.
Mir einfach ein Streichholz gegeben.
Das, womit alle Kerzentiere angezündet worden sind.
Und dafür werde ich ihm immer dankbar sein. 

Guckt doch nochmal Hier und Hier !!!!

4. Oktober

Ich freue mich sehr, dass es geklappt hat
mit der megariesigen Stadthalle in Falkensee als Ort für meine Lesung.
Denn so ist mehr Platz, mehr Abstand möglich und es können zusätzlich zu meinen Freunden noch ein paar mehr Leute kommen.

Das wird jedenfalls bestimmt schön. Ich bin zum ersten Mal ernsthaft nervös,
denn die meisten aus dem Publikum kennen mich zu gut. Hehe.

2. Oktober

Genau vor einem Monat kam mein Buch raus.

Und das war ja vielleicht ein Monat!

Nachdem ich gerade einen beinahe Roman runtergeschrieben habe,

was wie gewesen ist und wo ich war und mit wem warum,

habe ich jetzt alles gelöscht

und lasse nur : Danke.

2. September

Ich melde mich nur kurz, hier in diesem spröden Blogmedium, um ein paar Links und Termine dazulassen.

Danke allen, die mir auf vielen Kanälen viele liebste Nachrichten hinterlassen.

Alles ist so, wie ich es mir gewünscht habe.

Hier ist ein toller Radiobeitrag beim Deutschlandfunk Kultur: klick!

Meine Bloggerfreundin DraussennurKännchen hat auch was geschrieben: klick!

Dann gibt es mich jetzt auch im Bewegtbild. klick!

Hier alle Termine auf einen Blick, Dank CarlsenComics übersichtlich gebündelt.

Und kann mir jemand dieses Scheiß-Wordpress wieder normalisieren? Sonst blogge ich niiiiiiie wieder. Diese beknackten Zeilenabstände und was sind bitte Blöcke? Oh wie das nervt.

Und? kommt wer zur Signierstunde am Samstag? ; )

27. August

Sorry, war so warm und ein Buch rausbringen ist- wenn man einen groß-artigen Verlag hat, der einen mit Presse und Planung und Lesungen (soweit möglich) und Signierstunden, Videoportraits versorgt und umsorgt- einfach ganz schön tagfüllend. Und toll. Und aufregend.

Ausserdem hat mein WordPress mich jetzt überlistet und ich bin gerade komplett überfordert, mich mit diesem neuen Bedienzeugs rumzuschlagen. Deshalb gibts auch keine schicken Absätze zwischen den Zeilen.

14. August

„Wie fühlt es sich an?
Wenn alles an diesem Buch Eigenes ist ?“

erstes
Dies ist das ALLERERSTE, was ich aufgeschrieben habe, in ein Notizheft.

Manchmal frage ich mich, ob es komisch klingt, wenn ich mich SOOO sehr auf mein fertiges Buch freue.
Ist der Inhalt doch das Schrecklichste, was mir, was uns passiert ist.
Aber auf das, was es geworden ist, darauf freue ich mich.
Und darüber, die Geschichte von Nils vielen Menschen erzählen zu können.
Auf meine Weise.
Alles in dem Buch ist natürlich Eigenes.
Wie in jedem Buch und der Anfang war für mich besonders  schwer.
Ich habe mir ziemlich bald Hilfe geholt,
von einer ganz großartigen Schreibberaterin.
(www.katja-frechen.de).

Von ihr kam (neben tausend besten anderen…auf einige komme ich sicher noch zu sprechen) der Rat,
erstmal nicht „Ich“ und „mir“ zu denken, sondern von „der Mutter“ zu schreiben. Puh, hat mir das geholfen!
Etwas Abstand zu nehmen in der Phase des Entwickelns der Geschichte.
Alles noch mal rauszukramen und so. Mit der Mutter habe ich dann natürlich trotzdem sehr gelitten, aber es war irgendwie auszuhalten.
Jetzt fühlt es sich ähnlich an. Ich sehe nur das Buch und die Geschichte, ihre Figuren, all das Schöne und Traurige und Gemeine, die Bilder und die Liebe, die drinsteckt.
Was in echt passiert ist, ist eine andere Ebene.
Die liegt tiefer in mir drin und ist ganz gut geschützt.

 

Und mit diesen Aufzeichnungen zur Figurenentwicklung wisst ihr nun ALLES über mich, äh, über die Mutter.
Und mit diesen Aufzeichnungen zur Figurenentwicklung wisst ihr nun ALLES über mich, äh, über die Mutter.

 

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