Wir haben Daisy über die Windhundhilfe vermittelt bekommen.
Ich habe sie ungesehen einfach irgendwo im Norden abgeholt und nach Hause gebracht. Sie passte zu uns, genau, wie sie es gesagt hatten.

Eine schwarze, klapprige Greyhoundhündin, die in ihrem Leben noch nie Treppen gelaufen war und bei jedem Steinchen im Wald jammerte und sich die empfindlichen Ballen blutig piekste. Sie kam von einer Rennbahn und lebte, bis sie zur Pflegestelle kam, wahrscheinlich ausschließlich auf glattem Beton.

Als sie zu uns kam, war J ungefähr zwei Jahre alt.
Einmal, ganz am Anfang, stolperte er und landete rittlinks auf ihr.
Beide schrien vor Schreck wie am Spieß, aber Daisy rührte sich nicht von der Stelle, so dass ich den kleinen J vorsichtig von ihrem Bauch heben und so beide retten konnte.
Natürlich bleibt man immer vorsichtig bei Kleinkindern mit Hunden. Aber von dem Moment an vertraute ich ihr.

Ein ganzes Jahr habe ich jeden Morgen einen Kackhaufen aus der Küche geräumt, bis sie verstanden hatte, damit zu warten, bis wir sie raus lassen.
Komisch, war zwar blöd, aber so richtig aufgeregt hat es mich nicht.
Sie war einfach zu lieb, um ihr böse zu sein.

Ich kann mich nicht erinnern, ob wir sie jemals an der Leine führen mussten.
Sie hat nie etwas geklaut. (und DAS ist ungewöhnlich für einen Greyhound)
Mit anderen Hunden hatte sie keine Probleme.
Noch nicht mal mit Ferdinand. Den hatte sie unterm Pantoffel.

Ihre Gabe war es, Kinder zu verzaubern.
Ganz sanft war sie, ganz still.
Sie durfte einmal sogar mit in die Schule, als Referats-Anschauungsobjekt.
Daisy war jedesmal Ostern mit an der Ostsee.
Hat im Winter nie gefroren.
Sie neigte etwas zu Zahnstein, der wiederum, sofern er nicht frisch entfernt war, zu ziemlichem Mundgeviecher führte.

Niemandem war das so egal wie Nils. (ausser jetzt Edwin)
Meine Daisy, sagte Nils immer und nahm sie in seine Arme.

Das Laufen fiel ihr in den letzten Jahren immer schwerer.
Und Brummfliegen, Gewehrschüsse und Silvester.

Heute morgen haben wir sie einschläfern lassen, weil die Schmerzen zu doll wurden.

Ich schreibe das hier, weil Daisy zu unserer Familie gehörte.
Wehe, irgendwer kommentiert mit Mein Beileid oder so…. das lösche ich dann.

Nicht, weil ich nicht trauere, um sie, das tue ich schon.
Aber eher so – wie man eben um einen Hund trauert.
Sie war ein guter Hund.

Mit einem Hundeherz aus Gold.

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hier wurde sie mal schick gemacht.
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24 Antworten zu „26. Juni“

  1. Christa Sch.

    Berührt von deinen Worten.
    Eine wunderbare Zeit hatte sie bei euch und die wird sie jetzt auch haben…♡
    Liebste Grüße
    Christa

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  2. Simone

    So ein liebevoller Text. Für ein liebevolles Familienmitglied. <3

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  3. Wie passend ihr Name doch war! Weil Gänseblümchen auch so lieb und nett und genügsam-bescheiden sind. Völlig unexzentrisch – und doch mit einer Mitte aus Gold ausgestattet.
    So schön hast Du Daisy beschrieben! Wie gut, dass sie so viele, so wunderbar schöne Jahre bei Euch sein konnte! Doch noch erfahren durfte, was Hundeglück bedeutet. Alles Liebe Dir ~

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  4. silke

    wie schön dass Daisy zu Euch gefunden hat und ausgiebig Rehwiesenluft schnuppern konnte!
    Im Winter nie gefroren uhuuu unvorstellbar, Gruß an Edwin ;-)
    und irgendwie glaub ich ja doch, dass sie inzwischen munter und ganz dolle umarmt wurde.
    liebe Grüße,
    Silke

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  5. Julia

    Beileidsbekundungen haben ihren Sinn – wenn man aus der Distanz bezeugen will, dass man Trauer erkannt hat und weiß, was sich gehört.
    Was soll das sein: Beilieid? Noch erwas Leid dazu, so wie beim Beilagensalat?
    Haustiere gehören zur Familie. Ich habe bei jedem Abschied Rotz und Wasser geheult – wie in einer altgriechischen Tragödie – so wie ich eben um Hunde und Katzen trauere.
    Machs gut, Daisy. Du hast es gut gemacht.

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  6. Dani

    Ich wette, Nils freut sich wie bolle, dass sie jetzt bei ihm ist!
    Liebe Grüße, Dani

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  7. Susan

    Trotzdem geheult. Sag Nils Grüsse, Daisy. Machs gut, Brummfliegen kommen nicht in den Himmel, nur die, die nicht Brummen.

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  8. Ein Hoch auf Daisy!
    Und liebste Grüße!

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  9. Danke!
    Und liebste Grüsse zurück!

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  10. Ja, das war sie absolut! Danke!

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  11. Bei dem nackigen Bauch…oder? Danke!

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  12. Eine schöne Beilage von dir! (hihi…gefällt mir) Und – Danke!

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  13. Ja, das denke ich auch. ; )

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  14. Danke! Ich glaube das auch…. also das mit den Brummfliegen! ; )

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  15. Ja! (und ich habe ja tatsächliche zwei Daisy-„Statuen“….Denkmäler quasi. : ) Liebe Grüsse zurück!

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  16. Brigitte

    was mich immer gewundert hat (meine Freundin hatte und hat z.T. nacheinander, z.T. gleichzeitig fünf gerettete Greys), ist, dass diese Rasse trotz schlechter Sozialisation und Haltung immer freundlich und ruhig ist. Schüchtern zwar und ängstlich, aber nie aggressiv.
    Und was für ein wunderbares Leben sie doch nach ihrer „Karriere“ bei Euch hatte!
    Liebe Grüsse Brigitte

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  17. Fujolan

    …und stattdessen einmal feuchte Augen, denn sie teilen ja doch unser Leben.

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  18. Welch liebevolles farewell für Daisy. <3
    Liebe Grüße, Martina

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  19. Sie kann jetzt wieder schmerzfrei rennen wie der Wind… da oben.
    Flieg!

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  20. ich habe mir jetzt gerade „the dogs & the horses“ wieder angehört, extra für dich, für euch.
    wie schön, dass sie euch hatte. wie gut, dass ihr sie hattet.
    adieu, du guter hund.

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  21. Ein zauberhaftes Foto mit so schönen Erinnerungen. Behalte sie bei dir in Gedanken – beide. Die Erinnerung kann dir niemand nehmen. In Gedanken bei dir, besonders in diesen Tagen. Herzliche Grüße
    alex.

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  22. Ach kacke. Jajaja, irgendwann ist es so weit, und ja, sie hatte ein langes und schönes Leben. Trotzdem kacke, dass man die lieben geliebten Viecher irgendwann gehen lassen muss. Alles Liebe für euch. Und puh, das Foto.

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  23. ich hatte daisy gleich ins herz geschlossen. gut, dass sie bei euch leben durfte.

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