Und wie erklärt man Kindern, dass ein Kind gestorben ist?

Der Satz: „… war ja schon alt.“ funktioniert nicht.
Das Leben war noch nicht fertig gelebt.
Die Liste der Dinge, die erlebt werden sollten scheint so unendlich lang.
Noch nie alleine Fahrrad gefahren.
Nie Skateboard.
Nie in den echten Kindergarten gegangen.
Nicht in die Schule.
Keine Liebesgeschichten.
Nie geflogen, sich betrunken, Nächte durchgefeiert.
Diese ganzen Millionen Kleinigkeiten und grossen Erlebnisse.
Gute und Blöde.
Es fühlt sich so falsch an.
„Warum musste er denn dann schon sterben?“
Vielleicht geht es ja gar nicht um Erlebnisse.
Vielleicht muss man, wie bei einem Handyspiel,
viele Level durchspielen, bevor man mit dem Leben fertig ist.
Und Nils hatte mit seinen drei Jahren einfach schon das Level erreicht,
an dem man sagt: Perfekt gespielt.
Vielleicht ist das Leben ein Kreis, der geschlossen werden muss.
Vollkommen und Rund.
Vielleicht deshalb.

Kurz und gut finde ich aber auch:
Damit im Himmel nicht nur alte Omas und Opas rumflattern.

Besser, als zu sagen,
weiß ich auch nicht.

Posted in ,

22 Antworten zu „17. November“

  1. Das hast du schön gesagt / geschrieben.
    Iris

    Like

  2. Ja, mit wem sollen die Omas & Opas denn im Himmel spielen? Oder erzählen? Oder sich erzählen lassen?-
    Manche „Runden“ sind nur kurz, warum werden wir nicht erfahren. Ja, auch für mich fühlt es sich falsch an.
    Meine Mutter sagt inzwischen immer, wenn wieder etwas Schlimmes passiert ist: „Das muss A. glücklicherweise nicht miterleben.“ Und das macht sie tatsächlich froh…
    Alles Liebe!
    Astrid

    Like

  3. wenn man unerklärliche dinge verstehen will… :)
    so schön geschrieben – so kann man es auch erwachsenen erklären. und das mit den omas und opas im himmel, finde ich ein tragendes argument.
    herzliche grüße
    die frau s.

    Like

  4. Anonym

    <3,
    Martina

    Like

  5. „Damit im Himmel nicht nur alte Omas und Opas rumflattern.“…das wird es sein…ich bin mir sicher…
    Alles Liebe für Euch! Lotta.

    Like

  6. Ja, das muss es sein, was würden die Omas und Opas ohne kleine Kinder zum Betüddeln nur machen und natürlich müssen es auch die tollsten und knuddeligsten Kinder sein, die diese Aufgabe zu erfüllen haben, denn blöde Kinder wollen die dort oben nicht haben…
    Liebste Grüße, Dani

    Like

  7. Anonym

    … stimmt, das habe ich auch immer gesagt, „M. und S. sind dort, weil Oma und Opa da oben mal wen zum Auf-den-Schoß-nehmen-brauchten.
    Euch können sie ja nur von oben sehen…..“
    Und am Freitag dachte ich mir „Siehst du, S. musst du das jetzt alles nicht erklären, sie hätte es verstehen wollen – und das geht eh nicht. Gut so.“

    Like

  8. … eine wundervolle Erklärung …toll geschrieben!

    ♥ Allerliebste Grüße, Claudia ♥

    Like

  9. Liebe Melanie, das kann man nicht „erklären“, weil es einfach keine Erklärung dafür gibt. Aber Geschichten – Geschichten gehen!
    Deine ist schön, weil du versuchst dem Sinnlosen einen Sinn zu geben.
    Ganz liebe Grüße, eva

    Like

  10. Ein guter Freund von mir, der auch viel zu früh das letzte Level erreicht hat, wenn auch viel viel später als Dein Nils, sagte: 'Ich geh heim'. Es bricht mir immer noch und wieder das Herz. Aber ich weiss ihn in guten Händen.

    Like

  11. Ja, es könnte viele Gründe geben, entweder hat Nils seinen Level bereits erreicht, oder das Schicksal prüft euch, damit ihr nach diesem schrecklichen Verlust durch eure zukünftigen Handlungen persönlich weiterkommt. Versteh mich ums himmelsgottswillen nicht falsch. (Doofes Internet, wenn du vor mir stehen würdest, könnte ich es besser formulieren) also ich meinte, vielleicht sind eure zukünftigen Taten nur möglich, weil ihr euer Kind verloren habt und in Zukunft vielleicht eine Entscheidung trefft, die ihr sonst nicht gemacht hättet. Sei es sozialer oder gemeinschaftlicher Art, sei es ein Projekt, sei es eine medizinische Erfindung (die euch zudem noch unermesslich reich machen würde ;-) oder ein Buch dass du herausgibst, das vielen anderen Menschen Trost ist und Mut macht den Verlust eines Kindes genauso anzupacken wir ihr es macht!
    Allerliebste Grüsse aus der stürmischen Schweiz
    Carmen

    Like

  12. Ich denke an dich.

    Like

  13. Es wird nie nie eine zufriedenstellende Erklärung auf die Frage geben (auch wenn mit den Opas und Omas schon schön ist). Aber ich bin der Meinung, dass es nicht darum geht, was man im Leben schon alles erlebt hat sondern darum ob man geliebt wurde und geliebt habt. Und darin bin ich mir 100%ig sicher, dass ihr euch gegenseitig ganz viel Liebe geben habt und immer noch gebt. Daran kann auch der Tod nichts ändern. Niemals, nie! Haltet an eurer Liebe fest. In Gedanken täglich bei dir.
    Alexandra

    Like

  14. Und das Kerzentier Regenwurm ist großartig!!!

    Like

  15. kerzenlichtgedanken dir, euch.

    Like

  16. Anonym

    ja vielleicht geht es nicht um die Erlebnisse, vielleicht geht es um die Liebe?
    Er hat soviel Liebe und Geborgenheit bei Euch erfahren, soviel Vertrauen, soviel dieser tiefen Liebe und Sonne in sich getragen und gegeben,
    vielleicht wird er an anderer Stelle gebraucht, kleiner großer Stern, wissend ihr schafft das.
    Vielleicht brauchen wir einfach viel länger und er ist uns wirklich himmelweit voraus?
    Drück Dich,
    Silke

    Like

  17. Anonym

    gerade lese ich Deine Zeilen, genau das war mein Gefühl – Du packst es in wundervolle Worte. Danke für Deine Gedanken.
    lieben gruß,
    Silke

    Like

  18. Ich bewundere so sehr deine Zeichenkünste, liebe Künstlerin.
    Weil ich hier neu bin und zu deinem Geburtstag neulich das erste Mal auf deinem Blog war, habe ich nicht verstanden, auch nicht gewusst, was euch widerfahren ist. Jetzt habe ich einen zarten Faden hier auf deinem Blog zurückverfolgt. Ich bin sehr betroffen und habe zugleich die feinste Trauerarbeit, die ich je gelesen und gesehen habe, kennengelernt: Nils hatte und hat eine wunderbare Mama. Man kann von dir sehr viel lernen. Es tut mir unheimlich leid für dich und deine Familie.
    Es tut mir auch so leid, dass ich mit meinem ersten Kommentar hier wie eine Holzhackerin aufgetreten bin. Entschuldigung. Ich habe einen ungünstigen Augenblick erwischt, an dem ich deinen Blog kennenlernte.
    Liebe Grüße,
    Angelika

    Like

  19. So erklärt man Kindern das – und sich selbst am besten auch. Mit so liebevollen Worten und Bildern, die -trotz unsagbarer Trauer- so eine sanfte Ruhe verströmen, die nicht wütend sind, sondern annehmend, dankbar, beruhigend und tröstend.

    Like

  20. …kann man den Tod erklären? Das Sterben müssen…je mehr ich darüber nachdenke je weniger geht es…nur gut wenn es da eine Hoffnung gibt, eine Hoffnung das der Tod keine Ende ist sondern ein Anfang…aber warum tut es trotzdem so weh?
    Seid umarmt.marit

    Like

  21. Darüber denke ich auch so viel nach.
    Ich bin da aber genau deiner Meinung.
    Kinder fragen ja auch alles ganz unverblümt nach.
    Warum also keine ganz konkrete Antwort geben, die sie nachvollziehen können.
    Mir hat mal jemand gesagt, dass dann derjenige seine Erdenaufgabe erfüllt hat ( was auch immer diese Aufgabe gewesen ist, denn die steht halt nicht auf einem A4- Blatt untergliedert in 1., 2., 3.)
    Das lässt es mich leichter verstehen.
    Macht euch ein paar schöne Stunden.
    Angela

    Like

  22. das mit dem rumflattern find ich gut. das wär nämlich ziemlich langweilig da oben.

    Like

Hinterlasse einen Kommentar