21. Januar

Als ich das Klassenzimmer betrat, zum allerersten „Zeugnis“-Gespräch von Julius,
stach es mir sofort ins Auge.
Lag auf dem Tisch neben dem dicken Ordner.
Julius besorgte Klassenlehrerin mochte es als Lesezeichen nicht wirklich,
so thematisch bedingt,
und wollte es mir unbedingt zeigen.
Zum Glück hat sie nicht sofort den Kinderpsychologen alarmiert.
Ich finde, es ist gut gezeichnet.
Die Blatteinteilung und Komposition perfekt.
Und – Ja, es ist recht drastisch.
Ich glaube, ich konnte sie beruhigen.
(Demnächst zeige ich euch meine frühkindlichen Pornozeichnungen, 
die müssten noch irgendwo sein…ich hoffe, ich verspreche nicht zuviel…)
Bei Philuko gibt es jetzt immer Dienstags Kinderkunst.
Da reihe ich diesen Künstler mal ein.

17 Gedanken zu „21. Januar“

  1. Gut erkannt. Nur – Spiele mit Maschinenpistolen gibt es leider auch schon nicht indizierte. Jedes zweite Lego Starwars Figürchen hat so ein Teil dabei. Ehrlich: Mir schon klar, wo er das her hat. Und ich wünschte, ich könnte meinen Kindern die Handys verbieten, aber das geht nicht. Limitieren kann ich es. Aber abstellen? Leider nicht. Versuchen es nicht zu verteufeln. Vertrauen, dass genug echtes Leben bleibt, damit sie unterscheiden können. Vor allem an das Gute in ihnen glauben. Nee, es wissen.
    Liebe Grüsse!

  2. Sorry, ich musste erst mal lachen, als ich das gesehen und gelesen habe! Huiii, das ist brisant, vor allem, wo man bei euch doch immer nur an Bullerbü denkt…die Hauptsache ist aber: alle haben ein offenes Auge und bleiben im Gespräch und auf dem Teppich. Sagt eine, deren kleiner Bruder jahrelang exzessiv all die brisanten Computerspiele spielte und dann noch freiwillig zur Bundeswehr ging (hülfe!! was gab es da für Sorgen im Familienkreise!), den Laden aber auch genauso freiwillig (und geheilt!) wieder verließ und durchgehend ein echter Schatz geblieben ist, was mir seine Freundin auch immer wieder bestätigt (zuletzt buk er ihr zum Geburtstag einen Schokokuchen, ist das nicht süß?)!
    Nicht falsch verstehen, ich finde es top, dass die Lehrerin die Sache angesprochen hat, logo, das war durchaus angebracht! Aber man sollte auch nicht in Hysterie verfallen. Und das tut hier offenbar keiner, von daher: Bravo!
    Wenn 16jährige derartige Phantasien haben wie etwa eva a(r)twork es beschreibt, wird die Sache wesentlich problematischer…
    An dieser Stelle wage ich es aber durchaus, mich über die Zeichnung und die Umstände, die wirklich komödienreif sind, köstlich zu amüsieren! ;-))

  3. Ihr habt ja alle recht – und noch in meinen ersten 20 Jahren als Lehrerin hätte ich mitgeschmunzelt. Ich kenne im engsten Freundeskreis liebreizende und friedliebende Menschen, die als Jugendliche…nun ja, sagen wir mal „anders waren“. Aber bitte versteht meine Wut (wahrscheinlich eher Verzweiflung) in dieser Sache: wenn man sich tagtäglich mit verbaler, physischer und dann auch noch „künstlerisch“ daherkommender Gewalt in der Schule auseinandersetzen muss…nun , dann wird man halt (im Alter…sorry ich bin seit fast 40 Jahren Gesamtschullehrerin in Großstadtrandbereich) etwas dünnhäutiger. Daher verstehe ich wohl auch die Grundschullehrerin eher.
    Entschuldigt also meinen kleinen emotionalen Ausbruch an obiger Stelle!

  4. Du hast vollkommen recht…..ich verstehe Deine Wut, Du stehst da mittendrin! Aber es ist wichtig darüber zu reden, das Thema aktuell zu halten, auch wenn es gerade keine aktuellen Vorfälle gab…das machen wir hier :)
    Mit meinen zwei Jungs muss ich fast täglich durchkauen, was Realität ist, warum Trickfilmfiguren auch mal den Kopf verlieren können und warum nur die 'bösen' Legomännchen schießen; das Menschen, die stehlen nicht böse sind, sondern einfach nur arm und hungrig…..
    Ich versuche, mit ihnen im Gespräch zu bleiben und wenn sie über Tote sprechen müssen, dann muss ich da durch :)
    Herzlichst Sandra

  5. Ich musste auch erst einmal grinsen. Und vor meinem inneren Auge lief der ganze Elternsprechtag auch gleich ab.
    Ich hatte so meine Vorstellungen, wie Kinder so zu sein haben und wie man sie wohl zu friedlichen, trotzdem durchsetzungsstarken, liebevollen, empathischen und phantasievollen Menschen erzieht. Dann bekam ich Kinder und meine zwei Jungs haben mich Demut gelehrt. ;-) Und so eine Zeichnung kann ich mir auch von unseren Jungs gut vorstellen.
    Als Test habe ich den einen gleich mal geholt (8 Jahre) , ihm das Bild gezeigt und kurz erzählt, dass es sich da um ein selbstgestaltetes Grundschullesezeichen eines Erstklässlers handelt.
    Reaktion: In seinen Auge stand ein schelmisches, ehrfürchtiges Anerkennen. Er erkannte gleich, dass man sowas in der Schule eigentlich nicht malt und dass die Lehrer dann mit den Eltern sprechen. Aber dann grinste er diebisch und raunte mir ins Ohr: „Ich glaube, das hätte ich auch gemalt.“
    :-) Das glaube ich nämlich auch.
    Der kleine Kerl ist ein lieber Junge und kein aggressives Kind. Aber er verehrt Star Wars und vor allem Lego Star Wars. Und davor verehrte er Piraten. Und davor Ritter. Und davor Drachen und Dinosaurier. Und je unsicherer er sich fühlte, desto wichtiger war es, morgens mit dem Drachenpullover in den Kindergarten zu gehen.

    Ich glaube, man kann hier wirklich beide Seiten sehen:
    Es ist gut, dass eine Lehrerin aufmerksam wird, wenn sie so ein Bild sieht und weder Kind noch Eltern gut kennt. Und dass sie die Situation mit Augenmaß und Menschenverstand beurteilt. Weil man nicht weiß, ob es nicht andere, schlimme Hintergründe für solche Bilder gibt.
    Aber es es auch wichtig, dass ein Kind nicht gleich (vor-)verurteilt wird wegen solchen Zeichnungen. Das ist nämlich die andere Seite der Medaille; dass den Jungs suggeriert wird, dass sie nicht richtig seien, wenn sie diese (gerade für uns Frauen sehr unerfreuliche) Seite ausleben und zeigen. Alles, was mit Gewalt und Körperlichkeit und Kraft und offenem Polarisieren und „Der Stärkste sein wollen“ zu tun hat, wird ja gleich als gestört und gefährlich eingestuft.
    Ich postuliere mal, dass der größte Teil der aus liebevollen Elternhäusern heranwachsenden Jungs, die sich prügeln und ärgern und schubsen und Gewaltbilder zeichnen und später wohl noch Ego-Shooter spielen (mein Grauen!), ganz normale Jungen sind, die zu sozialkompetenten Männern heranwachsen.

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