
Mich erreichten viele Anfragen, ob es denn diese Kartensets und diesen Aufsteller nicht mehr gibt? Gibt es nicht mehr. Und weil ich das jetzt nicht immer einzeln erklären kann, hier die ganze nervige Geschichte, schön weit ausgeholt, weil in kurz schwer zu erklären:
Die Kerzentiere gehören zu den wichtigsten Tieren in meinem Leben.
Bevor das Buch damals entstand, war ich schon eine Weile auf der Suche nach einem Verlag und dann überglücklich, als eine Lektorin von Ars Edition meine Idee verstanden hat und wir zusammen „Was bleibt ist Licht“ entwickelten.
Ohne sie hätte es nie die Form bekommen, die es jetzt hat. Nicht die Farben, nicht die Form. Ich kann mir vorstellen (das weiß ich aber nicht), einem Geschenkbuch ein schwarzes Cover zuzutrauen, ist etwas, was einer Lektorin und einer mutigen Geschenkbuch-Redaktion zu verdanken ist.
Das Buch entstand parallel und kam kurz nach meinem NILSbuch heraus und war von Anfang an ein Erfolg.
(n a t ü r l i c h hatte ich Carlsen gefragt, aber v o r NILS wollten sie die Kerzentiere nicht und danach waren sie eben schon woanders)
Erfolg?
Was die Kerzentiere betrifft, bin ich empfindlich. Emotional. Es gibt diesen Teil in mir, der findet, sie sind zu Großem bestimmt. Sie könnten und sollten die Welt erobern. Ein richtiger Bilderbuchklassiker werden. Der andere Teil fragt sich, ob es richtig ist, aus Trauer und mit eben diesen Tieren, von denen nicht wenige nicht nur im Buch versammelt sind, sondern auch „in echt“ bei Menschen an der Wand oder auf Kommoden in Rahmen wohnen, weil sie zu jemandem gehören, der gestorben ist und fehlt, also aus diesen, oft sehr sehr persönlichen und geliebten Tieren, Profit zu machen. Sie zu kommerzialisieren. Auch aus diesem Grund ist im Buchvertrag vermerkt, dass es keine weitere Vermarktung ohne meine Zustimmung geben darf.
Ich mache nicht gerne Werbung für die Kerzentiere und ihr Buch, weil sich das oft so anfühlt, als würde ich aus Leid und Licht ein Geschäft machen.
Ich habe mich immer gefreut, dass es einfach da ist und ein Selbstläufer. Ich mache einmal im Jahr den Kerzentiertag am Tag der verstorbenen Kinder, wo sich jeder umsonst Tiere herunterladen darf und sonst nichts. Ach, warum auch? Ich habe mich irgendwann entschieden, dass sich mein Leben nicht um den Verlust meines Kindes dreht. (Und genau, das ist eine Entscheidung, die oft und immer wieder neu entschieden werden muss, dieser Weg ist jetzt nicht gerade die schöne schattige Allee zum Strand, den muss man gehen w o l l e n)
Okay, ich habe mich jedes Mal ein bisschen geärgert, wenn es (gerade am Anfang) auf Messen nicht in der ersten Reihe stand. Habe immer geguckt und gedacht- Naja. Passt eben nicht so ganz ins Programmbildganzes. Obwohl sie aus „Trauer“- ja schon „Trost“-Buch gemacht haben. Das Wort „Tod“ wird in Posts des Verlags bei SocialMedia übrigens mit Sternchen „T*d“ geschrieben- haha, traurig, lustig- Egal.
Irgendwann griff der Verlag aber meine Idee der Postkarten auf und 2024 entstand ein Kartenset und ein Aufsteller, ich sollte mir noch ein paar tröstende Sprüche ausdenken, das hat großen Spaß gemacht und ich fand es alles super, denn die Nachfrage bei mir privat nach Postkarten war gleichbleibend riesig, hatte jedoch nie die Kapazitäten, dauerhaft welche drucken und verkaufen zu können. Auch nicht, die dazugehörigen Geschichten immer mitfühlen zu können. Denn ich fühle jede mit. Und ich liebe das, nicht das jetzt wer denkt, sie oder er hätte mich belastet, neinnein, im Gegenteil ich liebe das einerseits, aber andererseits … schaffe ich es eben nicht ständig. (Diese traurigen Geschichten von außen sind neue Kopfsteinpflastersackgassen, die von der Allee abgehen, matschige Waldpfade, mehr Umwege, ihr versteht schon, um bei meinem Wegentscheidungsbild zu bleiben, ich habe doch selber Mühe geradeaus zu laufen, lasse mich viel zu schnell ablenken und dann ist plötzlich nichts mehr gut, wo ging’s geradeaus, wo nochmal zum Strand?)
Habe ich für die Karten und Aufsteller Werbung gemacht? Ich fürchte, nicht besonders viel. Auf der Messe standen sie als Neuerscheinung im Bückregal (grmpff) und ich war sowieso im Tunnel für meinen Freund Rilke. Aber hey! Amazon-Listen sind, wie ich bisher dachte, immer eine gute Orientierung und dort standen die Produkte immer mindestens in den Top 50 der Trauer- und jaja… Trost-Abteilung.
Übrigens hatte in der Zwischenzeit meine liebe Lektorin den Verlag verlassen.
Ja.
Und dann erfuhr ich Anfang diesen Jahres durch eine suchende Freundin, dass sie das Kartenset nicht mehr findet. Ob ich? Ich schaute selber online nach.
Stimmt, es war nicht mehr erhältlich.
Auf Nachfrage beim Verlag, wann die nächste Auflage käme (dachte ich echt!) der nun zuständigen Redakteurin erfuhr ich, dass die Produkte „abverkauft“ wären. Wegen geringer Nachfrage sei der Nachdruck eingestellt worden. Ich bekam die Verkaufszahlen geschickt und tatsächlich wurden in eineinhalb Jahren jeweils nur etwa 2000 Stück verkauft. Aber warum hatte ich nicht Bescheid bekommen?
Ich erspare euch jetzt den kleinen Streit und meine Verwirrung, meine Zweifel, was tun, meinen Ärger.
Aber als ich während des Videocalls mit ihr erfuhr, dass mindestens 1500 Kartensets (plus etwa genauso viele Aufsteller, beide hatten wohl eine Auflage von 4000), also 25 mal 1500 … Moment mal … Zahlen Zahlen … 37.500 Kerzentiere (also nur die Postkarten) VERRAMSCHT werden sollen, wurde mir ein bisschen schlecht. Wieso man mich denn nicht informiert hätte? Kommen die jetzt in so eine Papierpresse und werden zerquetscht? Geramscht? Zerstört? Meine Kerzentiere?
Ich weiß, mindestens 70 Prozent derer, die dies hier lesen, können nachvollziehen, dass manche Zeichnungen nicht nur Druckware sind. Ogott.
Ganz kurz: Ich erkundigte mich weiter, telefonierte ein bisschen, Dank an liebste Freudninnen vom Fach, ich beauftragte weitert einen Anwalt, weil Chancen gut, laut Erstberatung, der darum bat, alle meine Verträge aufzulösen, wegen Vertragsbruch in dem einen (Verlage müssen bei Verramschung Bescheid geben, so steht das drin) und Vertrauensverlust im anderen Fall. Ja! Absolut emotional!!!
Ich will meine Kerzentiere nicht bei einem Verlag haben, der sie nicht versteht und so mit ihnen umgeht. Wir hätten ganz gute Chancen, meinte der Anwalt.
Aber natürlich wurde schon der erste Brief abgeschmettert.
Ein Verlag zahlt seine Anwältin für diese eine Antwort aus der Hosentasche, ich kann mir eigentlich nicht einmal die eineinhalb Stunden des Honorars von meinem leisten. Das ist nicht fair. Laut Anwalt hätten wir vor Gericht Erfolg haben können, weil ich im Recht bin, aber das Risiko kann ich nicht eingehen. Finanziell.
Falls ihr euch fragt- klar hätte ich im Nachhinein die Restexemplare abkaufen können. Und dann mit kleinem Gewinn an euch weiterverkaufen. Ich habe darüber nachgedacht, aber …. Siehe oben. Und peinlich ist es auch und außerdem mag ich mit keinem Cent den Verlust des Verlags verringern.
Warum ich dies jetzt aufgeschrieben habe?
Mir tut es immer gut, Dinge aufzuschreiben.
Meine Wut ist jetzt nicht mehr so stark, wie sie schon war. Und ich werde alles in ein paar Wochen einfach vergessen haben. Das Kerzentierbuch wird weiter gut verkauft werden, es wird den Verlag sicher nie reicher machen, aber die jetzige Redakteurin vermutlich mit Genugtuung erfüllen, dass sie um den Titel gekämpft hat und ihn behalten durfte.
Und mir geht es natürlich darum, wenigsten einmal rauszuplärren, wie kacke ich das alles fand. Aber wem hilft viel Dreck aufwirbeln?
Wichtig ist doch nur, dass die Kerzentiere friedlich und unbescholten weiterleuchten, und das werden sie, für euch und alle, die ein Licht brauchen.
Ist doch egal der Verlag.
Haha.
Liebe Grüße und peace out an Arsch Edition.
(Ach immer diese dumme Autokorrektur)

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