21. April

„Ich ärgere mich so. Das die Tendenz dahin geht, das Niveau dem Schwächsten anzupassen.
Die schlechtesten Kinder geben das Lerntempo an. Das geht doch so gar nicht.
Ganz schlimm finde ich das!
Wozu sind wir denn auf ´nem Gymnasium?“
……………
Wir ?
Vor allem: „Wir“!
Wie ich diese Formulierung liebe.
Mmmmh. Vielleicht um Rücksicht zu lernen?
Ein Miteinander?
Um vielleicht eine Gesellschaft zu leben,
die aufeinander achtet und in der Schwächere mitgenommen werden?

Ich konnte das alles nicht erwidern, weil ich,
(bevor ich erst in Tränen ausgebrochen wäre und anschliessend der Frau vor die Füsse gekotzt hätte) den Elternabend lieber verlassen habe.
Auch blöd.
Hatte noch nicht mal angefangen zu zeichnen.
(aber zum Glück ist heute Abend wieder ein anderer Elternabend)

19 Kommentare zu „21. April“

  1. Nur für Oskar, ist auch nicht bös gemeint: Die GUTEN, die ja leider häufig soziale Vollpfosten sind, könnten auf jeden Fall Mitgefühl, Anstand und soziale Kompetenz lernen. Fähigkeiten, die auch für zukünftige Vorstandsmitglieder und Aufsichtsräte von Vorteil sind!!
    Für alle anderen:
    Ich durfte mir letzte Woche bei einer Veranstaltung eine lange Rede einer besorgten Mutter anhören, die sich beklagte, das immer mehr Inklusions-Kinder in die guten Schulen aufgenommen werden und wo das denn hinführen würde. Am Ende ihrer wirklich sehr spannenden Rede habe ich mich dann als Mutter eines geistig behinderten Kindes „geoutet“ und sie samt ihres Sektglases stehen gelassen – für mich war es ein gutes Gefühl und ihre Gesichtsfarbe passte plötzlich zu ihrem Hosenanzug… ;-)

    Liebe Grüße
    Trudi

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  2. „Die echten ganz Guten, die kommen schon klar, oder?“
    Naja, ich nicht so. Ich war eins von den Kindern, die schon im Kindergarten lesen, schreiben, rechnen konnten, und hätte am liebsten jeden Tag noch mehr gelernt. Für mich war es schwierig, dass für meine Fragen und Interessen oder für das, was ich konnte, im Schulunterricht kein Raum war. Das hat da eher gestört.
    Ich finde, auch die „ganz Guten“ haben ein Recht auf Förderung in der Schule. Inklusion sollte zu beiden Seiten offen sein: Aufmerksamkeit, Unterstützung und Lob für jedes Kind mit seinem individuellen Tempo. Das Maß sollte die Freude am Lernen sein. Wenn es nur ums willkürlich definierte Klassenziel geht, haben doch alle Kinder Stress, die nicht genau im Normbereich liegen.

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  3. Hier auch eine Lehrerin, die im Herzen prinzipiell deiner Meinung ist und dennoch sieht, wieviel Unglück es bringt, wenn in einer Gymnasialklasse zu viele sind, die für die Anforderungen dieser Schulform nicht gemacht sind. Die wirklich Guten gehen nämlich dann vor die Hunde. Die wirklich Guten können nie das leisten, was theoretisch leisten könnten. Weil der Unterricht an die Kinder angepasst werden muss, die langsamer – oder nicht – verstehen. Weil man viel länger braucht, um Zusammenhänge zu erklären und die wirklich Guten langweilen sich große Teile des Schulvormittags. Ich habe ein unglaublich liebes, kluges, sozialkompetentes Mädchen vor Augen in einer unglaublich schwachen Gymnasialklasse, dem kann ich kaum noch in die traurigen Augen schauen. Sie macht alles ganz ordentlich und wunderbar und schnell und gut und dann langweilt sie sich. Das ist ist ihr Unterrichtsalltag. Modelle zur Begabtenförderung sind nur ein Tropfen auf dem heißen Stein und natürlich will sie auch nicht immer eine neue Zusatzaufgabe zugeschoben bekommen oder immer anderen helfen, wenn sie fertig ist. Sie würde gerne schneller und anspruchsvoller und vielfältiger lernen. Das geht aber nicht, weil 10 andere Kinder überfordert vom Stoff sind, sich deshalb langweilen und unruhig sind oder die Aufmerksamkeit des Lehrers bündeln. Und weil keine Zeit mehr ist für die vielfältigen Angebote, weil man langsamer vorgehen muss, als der Gymnasiallehrplan es vorschreibt. Oder es gibt die „richtig Guten“, die innerhalb kürzester Zeit in sehr leistungsschwachen Klassen ihre Lernmotivation verlieren, ihre Lust zu zeigen, was sie können. Die sich auf einem Niveau einrichten, das sie nicht fördert, bei dem sie nicht mehr „gut“ sind, sondern halt „mittel“. Und unzufrieden damit sind.
    Rücksichtnahme wird in diesem Ansatz vor allem von den leistungsstarken Kindern im Gymnasium gefordert.
    Andererseits (und jetzt spricht die Mutter) bin ich auch schon einmal wütend und geschockt aus einem Elternabend gegangen, als eine unerträgliche „Upperclass-Mutter“ in der Grundschule für das möglichst frühe Einsetzen der Schulnoten kämpfte. „Mein Marlenchen ist so hochbegabt, die musste ich jetzt schon zum Klavierunterricht anmelden! Mit 5! Und ich bin es Leid, dass Marlenchen nicht in der ersten Klasse ihre Einsen bekommt, nur weil wir immer Rücksicht auf die Schwachen genommen wird. Das nehme ich nicht hin.“
    Zum Glück sagte die tolle Schulleiterin: „Ich habe 100 Möglichkeiten, Kinder zu motivieren. Schulnoten gehören nicht dazu. Bitte bedenken sie: Die wenigsten Kinder bekommen eine 1, die meisten eben nicht. Die meisten werden demotiviert durch Noten. Das brauchen wir in der ersten Klasse nicht.“
    Ich halte diesen Zwiespalt für ein echtes Systemproblem.
    LG Theresa

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  4. Was soll man schon auf einer allgemeinbildenden Schule außer herauszufinden, wer sich am schnellsten den vorgegebenen Stoff reinziehen und ihn nach kurzer Zeit in abprüfbarer Form wiedergeben kann?

    Wer die wirklich Guten sind entscheidet sich Jahre später und es sind nicht diejenigen die es dem Lehrer immer recht gemacht haben indem sie des Stoff auf Anhieb verstanden und rezitiert haben.

    Die gute Nachricht ist, dass man die Schule nur einigermaßen unbeschadet überstehen muss ohne sich das wahre Potenzial (Teamfähigkeit, Fairness, Neugierde) verderben zu lassen.
    Das bisschen Stoff holt man später bei Bedarf mit Leichtigkeit auf!

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  5. Ich hatte am Montag Abend solche Atemnot, dass ich befürchtete ohnmächtig zu werden. Erst dachte ich, das kommt vom schnellen Radfahren und den Treppen in den dritten Stock. Als ich dann aber 10 Minuten den wartenden Elternpaaren zuhörte, wurde mir klar, dass es ein Elternabenderstickungsanfall ist.
    Can´t stand this.

    Herzlich, Katja

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  6. Ich musste eine 15-minütige Diskussion ertragen, warum alle Kinder am verpflichtenden gemeinsamen Mittagessen der Ganztagsschüler teilnehmen müssen – ihr Kind würde ausschließlich das essen, was sie (die Mutter) für ihn kocht. Eine andere fand das Handyverbot im Schullandheim nicht hinnehmbar, weil sie dann nicht morgens und abends mit ihrem Sohn spreche könne.
    Manchmal hält die Tischkante nicht so viel aus, wie man seinen Kopf an nämliche schlagen möchte.

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  7. Dann schient mein Sohn aber irgendwie an einem sehr rückständigen Gymnasium zu sein. Hier wird das Lerntempo nicht an die Langsamsten angepasst, sondern gnadenlos jeder aussortiert, der nicht mithalten kann oder nur selektiv begabt ist. Die Lehrer haben das Credo: Wer schlechte Noten schreibt, muss eben mehr lernen oder abgehen, basta.
    Das „Jeder wird dort abgeholt wo er steht“ gilt am Gymnasium meines Sohnes nicht. Vielleicht ist das noch nicht bis nach Bayern vorgedrungen.

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