30. Dezember

Bin verstummt, kann nix sagen zu den Dingen, die man jetzt so sagt.
Über das Jahr, dass war, oder das Jahr, das kommt.
(mir fallen, ehrlich gesagt, nur schlimme Schimpfwörter ein)
Grübele über eine Floskel, die ich dann sagen könnte, morgen um Zwölf.
Auf ein Neues? Fick dich Altes?

Ich nehme mir mal eine Goldfischglas-Auszeit,
solange nur Unflätigkeiten raus wollen.

18 Gedanken zu „30. Dezember“

  1. Liebe Melanie,

    im Januar ist der 1. Todestag von meinem Kind.

    Heute feiern wir Silvester mit lieben Freunden, die auch alle bei der Beerdigung waren.
    Ich finds schön an Silvester kleine Rituale durchzuführen, z.B. auf einen Zettel schreiben, was doof/gut im alten Jahr war (dieser Zettel wird verbrannt) und was man sich für das neue wünscht (diesen Zettel aufheben).
    Auf solche Rituale habe ich dieses Jahr keine Lust, weil ich nur Rotz und Wasser heulen würde.

    Und prompt bekomme ich zu Weihnachten kleine Wunsch-Erfüller-Lämpchen, die man an Silvester verbrennen kann, damit die darauf geschriebenen Wünsche in Erfüllung gehen.

    Irgendwer will anscheinend, dass ich an meinen Ritualen festhalte, auch wenn ich dann weinen muss – mitten am „fröhlichen“ Silvester.

    Ich kenne das:
    Die anderen nicht mit der Trauer belasten wollen.
    Einfach Teil der allgemeinen (scheinbaren?) Fröhlichkeit sein zu wollen – was man an Silvester halt so macht.
    Den Kopf unter einem Goldfischglas tarnen zu wollen, dass niemand die Schluchzer daraus hören kann.

    Aber ich weiß, dass unsere Freunde es verstehen werden, wenn ich heute Abend mal kurz und heftig weine (meistens gehts danach wieder).
    Mir wird der Moment sehr schwer fallen.
    Aber es wird vollkommen OK sein und ganz normal dazu gehören.

    (Wahrscheinlich haben die anderen auch mindestens einen Moment im alten Jahr über den sie schimpfen/weinen wollen.)

    Danke, dass du auf diesem Blog deine Trauer mit uns teilst.
    Ich fühl mich dann weniger alleine in diesem seltsamen Gefühlschaos.

  2. Ich verstehe dich soooo gut!
    Ich könnte auch bei diesem ganzen Floskel-Scheiß im Strahl kotzen…ich würde auch gerne mit ins Glas kommen oder vielleicht möchtest du da auch lieber alleine bleiben…dann würde ich mit etwas Abstand gerne deine Goldfischglas-Nachbarin sein…trotz allem sende ich dir ehrliche liebe umarmende Grüße…Sarah

  3. Bei mir ist es der Dritte ohne Alexej und nach wie vor einer der schwersten Tage im Jahr. Es wird bewusst, dass die Zukunft durcheinander gewirbelt wurde. Ich finde das Goldfischglas eine gute Idee, nur würde ich noch die Scheiben verspiegeln, damit niemand reinguckt.
    Liebe Grüsse Margot

  4. ich wünsch dir kraft. so sehr. halte durch. liebe, verlust, gehenlassen, zurückgelassensein … es tut so weh … halte durch … es geht weiter… es muss…es geht … ♥ anja

  5. Hast Du den Goldfisch vorher rausgetan oder einfach aufgefressen?
    Ich wünsche euch, dass sich bei euch allen das Pendel im Jahr 2016 ein klein wenig vom Unglücklichsein zum „Nurnoch“traurigsein verschiebt. So viel, wie jeder von euch aushält. Und viel Zeit zusammen und euch allen so viel Zeit allein wie benötigt, vielleicht noch eine gemeinsame Reise und so viel Ruhe, wie ihr braucht, und so viel guten Trubel, wie er euch gut tut. Und dass Du rauslassen kannst, was raus muss.

    Liebe Grüße
    Maike

  6. Sie müssen aber raus. Ganz viel. Ich habe noch nie in meinem Leben in so kurzer Zeit so viel, so laut, so unflätig geflucht, beschimpft, getobt. Es gab einfach zu viel letztes Jahr, was zum Himmel schreiend ungerecht Scheiße ist, nicht anders benannt, verziehen oder weggeräuchert werden kann und nichts anderes verdient. F… dich, Jahr. Eben.
    Ich geh gleich am Freitag ein Goldfischglas kaufen, bis mir die Ohren klingeln.
    LG, Katja

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