28. November

314henrimatisse
No 314 Henri Matisse
„Killing me softly with his song“   Roberta Flack

Georg und ich erstellen eine gemeinsame Playlist für die Ausstellungseröffnung.

Das ist wunderbar. Alle unsere Lieder von Liebe, Leben, Party und Tanz, Erinnerungen, Traurigkeit, Schönheit, Trost und Weitermachen zusammen. 

Das ist übrigens Henri, neuer Familienwhippet und kleiner Halbbruder von Edwin.

 

26. November

Kürzlich sagte jemand zu mir, wenn ich das so erzählen würde, klinge das zu sehr nach Märchen. Nicht wie reales Leben.

   

Aber würde ich mein/unser Leben nicht ein bisschen märchenhaft machen, wäre es das auch nicht. Vieles ist gut, voller Liebe und glücklich, aber der Rest gnadenlos bitter und ungerecht, fies und bodenlos traurig.

Und ich so: Tja. Scheint so zu sein. Ich neige wohl dazu.

Die Kerzentiere sind ein Teil meines Märchens.
Kerzen brennen nicht ewig. Diese noch nicht mal in echt.

Aber für den Moment leuchten sie und sind schön. Und das will ich so sehen. Nicht die Gefahr einer brennenden Mähne oder versengter Federn, ihr unwirklich sein.

Nichts daran ist logisch oder realistisch.

Immer das echte Leben zu leben, ist zu hart und ich weigere mich, das zu tun. Wir würden daran zu zerbrechen. Dann lieber ein bisschen Märchen.

Blitzt noch genug Kacke hier und da auf, meine ich.

20. November

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Jetzt sitze ich schon, noch nicht in einem Meer, aber immerhin einem Gartenteich von neuen Kerzentieren und es werden jeden Tag ein paar mehr.
Mein Vorhaben, spätestens am 9. Dezember 2018 endlich dreihundertfünfundsechzig fertig zu haben steht, und wird wahr werden.
Als ich letzte Woche bei der Lesung von Eric Wredes Buch „The End“ ein paar Zeichnungen dabei hatte und sie im Foyer und rund um den Buchverkaufstisch ausstellen durfte, passierte folgendes:
Eigentlich nichts.
Sie sahen dort sehr hübsch aus, sehr dekorativ.
(ich hatte einen kurzen Erklärungs-Text dazu gehängt. In Ohne-Lesebrillen-Schriftgröße)

Die Lesung war gut. Eric ist grandios. Es ging um den Tod. Wie man mit ihm lebt.
Berührend, informativ und interessant und witzig.
Meine Kerzentiere vorne waren ganz leise und keines machte den Mund auf.
Keines schrie: Hey! Guck mal, wie traurig!
Aber trotzdem! Ich bin da, wenn er dann da gewesen war! (also der Tod)
Wie mutig! Wie scheiße!
Wie geil, dass ich diese Kerze trage, um alles etwas heller zu machen!

Sie hingen da, ganz unauffällig, in vornehmer Bescheidenheit.

Ich trank derweil ziemlich engagiert Weißwein und beobachtete sie mit großem Stolz.
Eine Frau kaufte vier Drucke- als Adventskranz.
(weitere gingen in gute Hände… ; ))

Frage mich jetzt, vor der Ausstellung, (wo sie dann ins Rampenlicht treten müssen)
ob ich viel mehr erklären sollte.
Werbetexte schreiben müsste.
Denn einerseits weiß ich, eigentlich könnte ihnen die ganze Welt zu Füßen liegen, andererseits gefallen sie mir gerade in ihrer Zurückhaltung.

Ganz ohne viel Text und Engelsflügelchen und plakativer Trauer.
Ach ja: In der Ausstellung verkaufe ich die Originale.

100/100

Koikarpfen100

Im Berliner Aquarium gibt es am Eingang ein Streichelbecken mit Kois.
Julius war ungefähr drei, als er sich zu weit rüberbeugte und kopfüber ins Wasser fiel.
Weil ich typischerweise irgendwo wie ein aufgescheuchtes Huhn rumrannte,
um Tickets, Jacken und Kinderklogänge gleichzeitig zu regeln, war es gut, dass sein großer Bruder Artur da war und ihn sofort wieder rausgefischt hat.
„Hängen se die da auf, dit passiert hier öfters“,
meinte die Frau an der Kasse,
als ich fragte, ob ich irgendwo die nassen Sachen trocknen könne.

Epilog:

Ich weiß noch genau, dass eine von euch meinte, ich wäre bis Weihnachten beschäftigt mit den 100 Tieren.
Habe ich nämlich voll erschrocken geglaubt!
(zählen kann ich schlecht)
Jetzt sind sie doch schon fertig und es ging viel schneller, als gedacht.
Ich habe mir überhaupt keine Reihenfolge ausgedacht und –
bis auf einzweidrei Ausnahmen – keins im Voraus gezeichnet.
Jeden Tag neu überlegt, daher sind sie weder chronologisch noch dramaturgisch sortiert.
( nur manchmal hatten sie einen Datums-Bezug… )
Es hat mir Riesenspaß gemacht und ich habe mich über jedes einzelne eurer vielen Herzen, Kommentare und eigener kleiner Geschichten gefreut!
Edwin wäre eigentlich ein gutes hundertstes Tier gewesen, weil der Satz am Ende seiner Geschichte,
der,
mit dem Zufall und dem Geschenk und so,
irgendwie gut zu allen Tiergeschichten in meinem Leben passt.
(aber das wollte ich nicht, aus dramaturgischen Gründen…)
In jeder kleinen Geschichte, ob sie jetzt von Tieren handelt, oder was anderem – kann man nämlich was finden.
Was gut, lustig, schön, schlimm, traurig, vielleicht sogar untröstlich ist.
Irgendwas klitzekleines.

Und wenn man es schafft, sie so zu drehen und zu wenden, die Geschichte,
bis der Winkel des Blickes stimmt, dann ist es ok für den Moment oder für immer.
So.
Jetzt könnt ihr den Schmalz von eurem Handy-Display oder Computerbildschirm wischen.
Danke!
Und: Ich habe jetzt auch keine Tiere mehr. Jetzt muss ich mal wieder 45 Jahre Pause machen und sammeln.

 

99/100

Edwin99

Jonathan Livingston Seagull of Always Unlimited ist sein Geburtsname
und ich fand ihn durch Zufall in meinem Handy,
als wir gerade in Italien waren.
Keine Ahnung, wie wir darauf kamen, wieder an einen dritten (!) Hund zu denken. Einen Welpen, und wieder einen Whippet!
Weiterer Zufall war, dass wir auf dem Heimweg sowieso bei der Züchterin vorbei fuhren.
Perfekter Zwischenstop auf halber Strecke.
Tssss.
Mal angucken geht ja immer und wir durften das netterweise, obwohl die Welpen erst knapp zwei Wochen alt waren.
Ja.
So lernten wir Edwin kennen.
Er hat einen Pfeil nach oben auf der Stirn, einen Anker am Hals und ein Herz auf dem Rücken.
Er hat Daisy mit Zunge geküsst. (örgs)
Den alten Ferdinand zum Lachen gebracht.
Ida erzieht ihn jetzt zu einer Katze und bringt ihm Mäuse mit.
Er spielt sehr höflich damit, auch wenn er es anfangs eklig fand.
Jeder sagt von seinem Hund, dass er der Beste ist.
Aber Edwin IST leider der Beste.
Ich glaube ja daran, dass nicht immer alles Zufall ist.
Dieser Hund ist ein Geschenk an uns.

98/100

Elefant98

Wir waren im Zirkus, saßen ganz vorne, als der Elefant den Rest von Gretas Zuckerwatte klauen wollte.
Plötzlich hatte ich neben meiner Tochter diesen riesigen Rüssel auf dem Schoß.
Greta war da noch ganz klein,
wollte aber u n b e d i n g t nach der Vorstellung reiten.
Auf dem Elefanten.
Tat sie auch, und das fand ich echt mutig.