26. November

Kürzlich sagte jemand zu mir, wenn ich das so erzählen würde, klinge das zu sehr nach Märchen. Nicht wie reales Leben.

   

Aber würde ich mein/unser Leben nicht ein bisschen märchenhaft machen, wäre es das auch nicht. Vieles ist gut, voller Liebe und glücklich, aber der Rest gnadenlos bitter und ungerecht, fies und bodenlos traurig.

Und ich so: Tja. Scheint so zu sein. Ich neige wohl dazu.

Die Kerzentiere sind ein Teil meines Märchens.
Kerzen brennen nicht ewig. Diese noch nicht mal in echt.

Aber für den Moment leuchten sie und sind schön. Und das will ich so sehen. Nicht die Gefahr einer brennenden Mähne oder versengter Federn, ihr unwirklich sein.

Nichts daran ist logisch oder realistisch.

Immer das echte Leben zu leben, ist zu hart und ich weigere mich, das zu tun. Wir würden daran zu zerbrechen. Dann lieber ein bisschen Märchen.

Blitzt noch genug Kacke hier und da auf, meine ich.

16. September


Das Gedicht passt nicht zum Bild oder das Bild nicht zum Gedicht.
Auf den ersten Blick.
Aber es ist ein hübsches Gedicht.
Und eigentlich geht es auch zusammen.
(ihr erwartet bei meinem ersten Blogeintrag nach gefühlten Jahrzehnten 
ja wohl nicht, dass ich schon dichte oder sowas Hochanspruchsvolles)

Der Löwe
James Krüss

Ein Löwe, groß und fürchterlich,
Begann vor Wut zu weinen:
Er suchte einen Reim auf sich,
Doch leider fand er keinen.

Er lief durchs ganze Afrika
(Am Tag oft zwanzig Stunden)
Und fraß so manchen Dichter da,
Der keinen Reim gefunden.

Am Kap der Guten Hoffnung, ach,
War Afrika zu Ende.
Allein er dachte weiter nach,
Wie er ein Reimwort fände.

Er saß betrübt am Meeresstrand,
Wo wilde Wellen schäumen,
Bedenkend, dass sich rings im Land
Fast alle Tiere reimen.

Es reimt sich, sprach er, Kuh auf Gnu
Und Stiere auf Vampire.
Auch Marabu und Känguru
Sind reimverwandte Tiere.

Warum reimt sich der Löwe nicht?
Soll er stets reimlos bleiben?
Wird niemals jemand ein Gedicht
Mit Löwenreimen schreiben?

Der arme Löwe saß und sann,
Im Ufersande schabend.
Da kam ein weißer Vogel an
Und sagte: Guten Abend!

Lass mich allein! Entferne dich!
Erwiderte der Löwe.
Ich suche einen Reim auf mich.
Da sprach der Vogel: Möwe!

Zwar reimt sich, sprach sie, Hunz auf Kunz
Und andre dumme Sachen;
Jedoch auch wir zwei reimen uns.
Und sie fing an zu lachen.

Der Löwe lachte ebenfalls
Und raste vor Entzücken.
Er fiel der Möwe um den Hals,
Als wollt er sie erdrücken.

Er rief: Ich habe einen Reim!
Hoch lebe jede Möwe!
Jetzt kehre ich beruhigt heim
Als der gereimte Löwe.

Seitdem sagt jedes Löwenkind
Zu jeder Möwe Tante,
Weil sie doch jetzt Verwandte sind –
Zumindest Reimverwandte.