Scan 1

Eine Woche rum und mein Vorsatz, mehr zu posten eine Woche alt.
Corona, Corona, Corona.
Ich lese und denke nichts anderes.
(Und euch bleibt es jetzt auch hier nicht erspart!)
Der Alltag ist bei uns nicht schwer oder anstrengend oder mühsam.
Die Kinder sind groß, fröhlich (ein Glück!) und bemühen sich, ihre Aufgaben so gut wie möglich zu erledigen.
Ich bin allerdings auch nicht sehr streng als Homeschoolaufsicht.
Die machen das schon.
Arbeite währenddessen an meinem Buch über Tod, Wut und über Mut und frage mich,
ob irgendwann irgendjemand diese Geschichte lesen will. Dann.

Ich hatte gefühlt als erstes Angst.
Als noch alles normal lief und man sich nur kopfschüttelnd die hamsternden Panikmacher ansah.
Sich an den Kopf fasste und alles voll übertrieben fand.
Da kriegte ich schon Angst.
Ich machte Seiten bunt, die ein Krankenhaus beschrieben, in dem Kinder sterben, weil niemand aufpasst.
Ich überlegte, wie dasselbe Krankenhaus und all die anderen mit mehr als zehn sehr schlimmen Fällen gleichzeitig zurechtkommen soll.
Ich traue ihnen keine zwölf zu!
Ich habe wortwörtlich keine Luft mehr bekommen, während die Nachrichten aus Italien dramatischer wurden und die ersten Erkrankten in Deutschland bekannt wurden.
Bin aufgewacht und eingeschlafen mit dem Gedanken: Ohnein, ohnein, bitte nicht.

Jetzt geht es besser.
Jetzt, wo ich weiß, es w i r d gruselig schlimm, es i s t schon verrückt schlimm.
Und die meisten es endlich begriffen haben.
Eins, das ich gelernt habe, und ich muss ja was gelernt haben, wenn ich einen dicken Schinken darüber geschreibzeichnet habe, wie man in der größtmöglichsten Schrecklichkeit Dinge findet,
die einen am Leben lassen, ist: (und ich wende es erneut relativ erfolgreich an…)

Wenn was ist, wie es ist, dann ist es so und man kann alles schaffen.
Von irgendwo kommt immer ein kleines Fitzelchen irgendwas angeflogen,
das man nur aufheben, hochhalten, feiern und nutzen muss.
Als Mutmacher. Weiterleber. Aufrechtsteher.
Ich zitiere mich mal selber: (hehe)

„Die Glut bleibt, egal, was passiert.
Man muss nur weiteratmen. Lieben. Ohne Angst.
Es ist anstrengend, sie anzupusten, damit sie funkt und vielleicht irgendwann wieder brennt, aber man kann es schaffen.
So ist das.“

Mit dem Glück, mit der Trauer und mit einer Weltkrise auch.
Irgendwann wird es etwas besser. Kann Jahre dauern, wird aber.

Georg ist Arzt.
So wie es aussieht, wird der Tag kommen, an dem er eingezogen wird,
um zu helfen, und zwar rund um die Uhr und ohne zwischendurch nach Hause kommen zu können.
Er will das sogar, hat die Kraft und wird das schon schaffen.
Ich bete trotzdem, dass ein kleines Wunder passiert.

Und das jetzt endlich alle zuhause bleiben für eine Weile.

Posted in

15 Antworten zu „21. März“

  1. Schei§aufKlopapier

    deine Worte stimmen für uns 1:1. nur das ist nicht Bücher bunt mache, sondern Wände weiß. eine merkwürdige Zeit, irreal, still und in den Medien laut. Man wartet auf etwas, das nicht kommen darf….liebe Grüße und BLEIBT ALLE GESUND! aus/von SpandaUTA

    Like

  2. Ach, manchmal findet man es echt scheisse, wenn man jemandem nur ein paar Worte schreiben möchte, die vielleicht helfen könnten, die einem dann banal und heuchlerisch vorkommen. Wir kennen uns ja nicht mal. Aber so wie Du immer Deine Situation schreibst, möchte ich am liebsten in den Arm nehmen, halt Trost, Halt, Mut… spenden. Also, wenn Du diese Gefühle nur über ein *paar* Worte und ein Bild schon auslöst, wie gut wird dann Dein Buch werden!? Und lesenswert!!
    Dein Bild vom Plätten der Kurve – surper!
    Und weiterhin ganz viel Kraft und Mut und Dankeschön!
    Nina

    Like

  3. Sehr ehrlich geschrieben. Ich bin nicht so der Wortkünstler, aber Du hast das gut & passend geschrieben. Mir tut der Spaziergang in die Natur gut, so lange das noch irgendwie möglich ist. Die Stille ist etwas komisch, tut aber auch gut. Denk an andere schlimme Zeiten in deinem Leben, die Du / Ihr auch überstanden habt! Liebe Grüße aus Bramsche!

    Like

  4. Bin voll bei dir!
    Wünsch euch alles Liebe und uns allen ein schnelles Abflachen der Kurve, wenngleich das sicher noch einige Zeit dauern wird. Und das Buch, das werde ich lesen! Definitiv! Freu mich drauf!
    Kopf hoch und Durchhaltegrüsse aus dem Süden mit Ausgangssperre

    Like

  5. Sylke

    Deine Zeilen schaffen bei mir mal wieder das selbe, wie vor zwei Jahren, als wir uns zufällig kennengelernt haben…….nämlich, dass es immer weiter geht im Leben…….man muss nur den Willen haben, weiter gehen zu wollen und manchmal braucht man einen Anstupser dazu und der liebe Meli, bist DU.
    Danke dafür und bleibt alle schön gesund ❤️
    Alles Liebe
    Sylke und Familie

    Like

  6. Liebe Melanie,
    ja, wir haben viel gelernt in der dunkelsten Zeit. Danke für deine Worte. Schicke ein herzliches Ahoi aus dem Landrückzug & hoffe auf einen Regen voller Fitzelchen, Ina.

    Like

  7. Gundula Mehlfeld

    Liebe Melanie, du schreibst so, daß ich das Gefühl habe, du sprichst mit mir. Und deine Zeichnungen find ich wunderbar. Ich habe dein Buch schon auf meiner Wunschliste! Herzlich, Gundula

    Like

  8. Ja, irgendwie liest und denkt man nichts anderes mehr. Und immer der Gedanke, dass das doch jetzt (also wirklich JETZT) aufhören muss, dass das nicht so weitergehen KANN – und dann geht es doch so weiter. Und wird noch schlimmer.
    Als Paula damals starb, da war das schlimmste ja schon passiert, danach mussten wir „nur“ noch lernen, damit umzugehen. Aber jetzt sieht es so aus, als würde immer mehr kommen.
    Und wieder geht’s nur mit Beppo: „Er dachte einige Zeit nach. Dann sprach er weiter: „Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Und immer wieder nur an den nächsten.““
    Liebe Grüße von Frau Frosch

    Like

  9. Marion

    Liebe Melanie, ich habe Dein Buch schon vorbestellt. Und warte gleichzeitig ganz geduldig darauf, dass es dann erscheint.
    Liebe Grüße, Marion

    Like

  10. Anonymous

    hach, danke! Niemand drückt es so treffend aus. Im Wirt und im Bild 💛

    Like

  11. LutherBettina

    …endlich fühle ich mich nicht mehr einsam !
    Am Anfang hatte ich ebenfalls Angst, als alle um mich herum ruhig waren, viel zu ruhig! Als Panikmacher fühlte ich mich, als ich Abstand hielt und mich in einem kleinen persönlichen Kreis zurück zog. Mein Umfeld habe ich genervt , bezüglich Hygiene und Distanz halten.
    Langsam werde ich immer ruhiger, sachlicher und warte im Home Office, bis mich die Klinik anruft, wenn ich mich bis dahin nicht freiwillig zur Hilfe melde.
    Bleibt gesund und bleibt zu Hause
    für alle im Krankenhaus und der Versorgung (Lebensmittel, Wasser, Versorgung, Entsorgung, Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst ….)
    Danke
    BettyLu aus Karlsruhe
    Lieben Dank an meine Kollegen im Städtischen Klinikum Karlsruhe!

    Like

  12. FrauQ

    DANKE für diesen Post 💚! Ich drücke dich mal virtuell ganz fest 🙂 (uh, ich glaube ich habe ein bisschen Pipi in den Augen….) !

    Like

  13. Bettina Wingert

    Und, wurde er zum Einsatz gerufen?

    Like

  14. Bisher nicht, zum Glück.
    Wieso fragst du?

    Like

Hinterlasse einen Kommentar