
Wir haben dann irgendwann Klage beim Staatsanwalt eingereicht. Jetzt nicht einfach so. Und auch nicht aus Rache oder aus Hass oder aus dem Wunsch nach Vergeltung.
Wir hatten diese Zwischenzeit, in der wir versuchen, irgendwie das Gefühl zu bekommen, da passiert jetzt etwas. Die haben den Fehler gesehen und reagieren darauf. Wir warten und denken. Denken echt viel. Ich arbeite hier dran. Wie irre.
Das Landesamt für Gesundheit scheint bestürzt darüber, dass ein Teilnehmer der Studie, in der Nils sich befand, verstorben ist. Sie hatten noch nichts davon gehört. (theoretisch sind die Ärzte, die für die Studien zuständig sind, verpflichtet, lückenlos den Zustand des teilnehmenden Patienten zu dokumentieren. Eine Menge Arbeit und einen Menge Papierkram. Durchaus. Wichtige und gute Arbeit für totkranke Kinder) Sie wollen dies nachprüfen.
Dann haben wir geguckt, ob man berufsrechtliche Schritte einleiten kann, um die Situation dort von offizieller Seite prüfen zu lassen. Die Ärztekammer Berlin ist für die Charitè allerdings nicht zuständig. Die Berufsaufsicht der angestellten Ärzte der Klinik übt der Vorstandsvoritzende der Charitè aus. Wir könnten uns also bei der Klinik über die Klinik beschweren. Irgendwie schräg. Eine Kontrolle erfolgt in einem Krankenhaus des öffentlichen Dienstes über sich selbst.
Was also sollen wir tun? Wir hoffen, dass die Staatsanwaltschaft ein Verfahren eröffnet und ermittelt. Weil wir das Gefühl haben, wenn wir nichts unternehmen, und alleine kriegen wir nichts ins rollen gebracht, dann wird Nils totgeschwiegen.
Erst totgemacht dann totgeschwiegen. Nee.
Im Januar 2016 geht der Fall an den Staatsanwalt nach Berlin und wir werden als Nebenkläger akzeptiert. Es wird ein weiteres gerichtsmedizinisches Gutachten angefordert, und ein unabhängiges Gutachten von einem Kinderonkologen.
Wir finden, es ist schon ein großer Schritt, Nils Akte auf dem Schreibtisch der Staatsanwaltschaft zu wissen. Gut, dass sich jetzt darum gekümmert wird.
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