26. Juni

Liebe Leukämiezelle!
Du blödes Stück. Siehst scheisse aus und kommst dir ganz toll vor.
Die Medizin, mit der wir versuchen, dich loszuwerden, ist so hart,
dass es sogar echte Kämpfer ziemlich umhaut.
Nur, dass die wieder aufstehen werden.
Du nicht, wenn wir erst mit dir fertig sind.
Eigentlich passt es mir gar nicht, dass du hier so eine Hauptrolle spielst,
auf meinem Blog.
Ich mache das bloß, damit alle wissen, wie kacke du bist.
(und weil ich so viel Zeit zum Zeichnen hatte im Krankenhaus…)
Fühl dich so richtig schmerzhaft in den Hintern getreten,
deine Melanie

P.S.: Wir sind nach einer Woche Klinik wieder zuhause! 
Hier ist SOOO viel Post angekommen,
Danke, Danke, Danke! 
Ich hoffe, irgendwann Zeit zu finden, mich auch noch persönlich 
bei allen zu bedanken! 

14. Juni

Beim Bettfertig machen:

Julius :     „Boah…das sieht bestimmt total kacke aus,
                  wenn Nils keine Haare mehr hat!
                  Die schööönen Haare! „
Nils :        „(…)“
Ich:          „Aaaach….neeee…..(überlegüberleg) ….
                  das sieht gar nicht kacke aus…ausserdem:
                  …wachsen die ja auch wieder nach und sind
                 dann noch viel schöner als jetzt.
Nils:         „schwarz-weiss?“
Ich:           „Blaugrün!“
Julius:       „Ganzbunt!“
Ich:           „Vielleicht wächst auch Gras! Wie praktisch,
                  können die Pferde abgrasen.“
Nils:          „Hahaha, neeeeeein! Lieber schwarzweiss!“
Ich:           „Dann passt es ja zu dir, du Stinktier!“
Alle:          lachen.

Dabei ist es nicht soooo lustig hier im Moment. 
(und für Julius ist das alles besonders schwer)

12. Juni

Mmmh. Meine Zwölf…. sind irgendwie nicht ganz komplett.
Wenn man sich schon am Anfang verzählt, ist das kein gutes Zeichen.
Trotzdem ein Ok-Tag.
Bleibt zu hoffen, dass der Infekt von Nils trotz angeschlagenem Immunsystem
fieberfrei bleibt, sonst müssen wir nämlich wieder rein ins Krankenhaus.
Wär auch nicht schlimm, den Rasen habe ich immerhin geschafft zu mähen. ; ))
Gut, morgen wollte ich noch mal unbedingt in Ruhe zu den Pferden…. naja.
Wird schon.
Jetzt erstmal weitertrinken.
Mehr 12er wie immer bei Caro von DraussennurKännchen!

11. Juni

Hab noch ein bisschen was nachzutragen, aus meinem Klinikskizzenbuch.
(siehe Datum…)
Nicht besonders schön koloriert und schön verschmiert, aber egal.
Nicht egal:
DANKE!
Bin ganz geplättet von all den Täschchennäherinnen! Sooo süss!
Jedenfalls freue ich mich riesig auf all die Päckchen!
Und falls es (höchstwahrscheinlich….) einzweidrei zuviel werden,
finde ich das gar nicht schlimm, hihi…denn…
erstens ist dann die Auswahl grösser für den wankelmütigen Nils
und zweitens wird sich die Station sicher über nen Schwung neuer moderner Täschchen freuen!
Ihr seid echt der Hammer!

3. Juni

Tatsächlich macht das Zeichnen Freude.
Nils malt nämlich parallel mit. oder guckt fern und spielt gleichzeitig Handy, haha.
(die Bilder für seine Geschwister konnte ich jetzt nicht einscannen, sind schon an den Wänden oder quasi unter den Kopfkissen derselben, die sich soooo gefreut haben.)
Wir haben tatsächlich irgendwie viel Spass.
Seine erste Chemo heute hat er gut vertragen,
ich hatte wohl mehr Nebenwirkungen als er.
Anschliessend durfte er endlich (!) abgestöpselt werden von diesem lästigen Infusionsständer.
Ich bin heute eine Nacht zuhause.
Liebsten Dank für alle eure netten Kommentare und Wünsche und Mutmachgeschichten!
Ich habe bei jedem einzelnen geweint vor Rührung und so.
Danke!

30. Mai

Nils hat Leukämie.
Eine von der Sorte, die gut zu behandeln ist,
aber trotzdem ist so eine Behandlung natürlich kein Sonntagsspaziergang.
Wir sind jetzt eine Weile im Krankenhaus und dann wieder zuhause mit Tagesterminen dort,
dann mal wieder drin, so ganz habe ich den Plan nicht im Kopf,
aber es gibt einen Plan.
Der ihn wieder gesund machen wird.
Er ist gerade sehr fröhlich, sehr stark und sehr gross.
Vielleicht finde ich einen Weg, euch auf dem Laufenden zu halten,
vielleicht auch nicht.
Ich will es gerne versuchen, denn eigentlich möchte ich die Zeit, die auf uns zukommt,
gerne festhalten in Bildern, aber das ist SO schwer.
Vielleicht, weil die lustigen und schönen Situationen trotzdem eigentlich scheisse sind.
Und ich die Scheiss-Situationen nicht zeichnen kann, weil es nicht geht.
Mein Kind demnächst ohne Haare zeichnen? Wie soll ich das bitte machen?
Ich kann es mir heute nicht vorstellen.
Vielleicht dann.
Bis bald!

29. März

3 !

Dann bin ich gross, meint Nils. Wenn ich endlich drei bin.
Ja, das bist du.
Zur Zeit eigentlich immer bis an die Zähne bewaffnet anzutreffen,
mit allem, was Küche und Waffenschrank so hergeben.
(früher hätte ich mich aufgeregt, heute ist es mir egal)
Strahlend. Mit glühenden Wangen.
Immerzu quasselnd, singend, brüllend, quatschend, lachend.

Ihr müsst gegen nichts kämpfen, da ist nichts in ihm, das bekämpft werden muss. 
Lasst ihn leuchten, strahlen, füllt ihn voll mit Licht. Und mit Liebe.
Dann hat das andere sowieso keinen Platz mehr.

( Danke, E. für diese Worte. Allen Danke für das viele Licht)

… gegen unsichtbare Wildschweine im Wald kämpfen wir aber.
Hoch zu Ross natürlich.
Wie echte Ritter.

24. Februar

Wir sind wieder zuhause.
Oben mein Ohrwurm der letzten zwei Wochen, mein Mantra.
Ich hatte noch eins: Mein Stern, mein Licht, mein Herz, meine Liebe.
Immer und immer wieder wiederholt. In Gedanken und auch laut.

Nils ist ein kleines Rätsel der Medizin.
Er hat eine Leukämie. Die hat er aber im ersten Schwung selbst ausser Gefecht gesetzt.
Das gibt’s wohl manchmal.
Den ganz ganz schlimmen Infekt, durch den das alles überhaupt rauskam, hat er jetzt überwunden und die Leukämie ist erstmal nicht nachweisbar.
Nun warten wir also.
Nicht mehr im Krankenhaus, sondern endlich zuhause.
Das hört sich genauso kompliziert an, wie es ist und ich erzähle meine eigene, wahrscheinlich nicht gerade wissenschaftlich fundierte, dafür am ehesten begreifbare Version.

Alle, die jetzt Tränchen in den Augen haben, können sie nun wieder abwischen,
denn wir sind nicht am Boden zerstört.
Wir sind viel stärker und mutiger, als ich es je gedacht hätte.

Deswegen geht es jetzt hier auch weiter.

Egal, was passiert,
(ich hoffe ja immer noch, dass er in die Medizingeschichte eingeht, als erstes Kind, dass seine Leukämie selber in den Griff bekam, dafür musste er heute noch ein paar Extra-Röhrchen Blut abgeben für die Forschung…)
schaffen tun wir das.

Und nun bitte keine Betroffenheit.
Auch wenn die heile Rehwiesenwelt etwas lädiert ist.
Nur Licht, Freude und gute Gedanken.