9. September

Wieviel sollte man hier zeigen?
Soll man die ganze Welt mit seinen Schmerzen belasten?
So viele traurig machen, die uns nur digital kennen?
Reicht es nicht, wenn man selber leidet?
Und die Familie und Freunde?
Was ist aus diesem lustigen JedenTageineSkizze- Blog geworden?
Meine persönliche Trauerbewältigungsplattform?
So in aller Öffentlichkeit?
Eine Heul-Internetz-Seite?
(tut mir leid, dass man hier viel weinen muss gerade)
Tja.
Leider kann ich nicht anders.

Meine heutige Zeichnung trage ich seit ein paar Tagen in mir herum.
Das ist nicht gut und tut tat sehr sehr weh.
Jetzt ist sie raus.
Ich glaube, es hat geholfen, auch wenn ich nass geschwitzt und kaputt bin.
Wegen siehe oben zeige ich sie nicht ganz… (haha!)
War diesmal nur für mich wichtig.

Jetzt zeige ich schon Zeichnungen die ich nicht zeige.
Ogott.
Danke für euer Verständnis.

72 Gedanken zu „9. September“

  1. In so einer Ausnahme-Situation, in der du dich befindest (ihr euch befindet), gibt es einfach kein Richtig, kein Falsch mehr. Was du fühlst, das ist das einzig Entscheidende, der einzige Kompass, dem du folgen kannst. Du schlägst immer die richtige Richtung ein (ob heulend, ob lachend, ob wütend, ob stumm) – und lass dir von niemandem einflüstern, was jetzt angemessen wäre. Keine Sehnsuchts-Mutter braucht einen Trauer-Knigge (den es ja leider ungeschrieben irgendwie zu geben scheint). LG mila

  2. warum solltest du dich verstellen? ist jetzt halt so, fertig (die blogveränderung). das sollte dich nun wirklich nicht noch zusätzlich belasten! also verwirf den gedanken lieber wieder, niemand hier nimmt dir irgendwas übel. ich denke oft an dich und deine familie! ich hoffe, es wird bald erträglich(er).

  3. Liebe Melanie,
    ein antwortendes mitfühlendes Tagebuch mit einem sehr großen Herzen für alles. Da bin ich sehr gerne eine Seite von. Egal wie. <3
    Doro

  4. Liebe Melanie!

    Das hier ist doch immer noch Dein Blog!
    Du darfst hier alles, was Dir in dieser schweren Zeit hilft!
    Du bist nicht verpflichtet hier die Clownsnase aufzusetzen und 2,5 Gags pro Post zu liefern!

    Ich mag Deinen Blog so sehr, gerade weil er authentisch ist und Du uns „Haufen“ Fremder voller Großzügigkeit an Deinem Leben teilhaben lässt, mit allen lustigen Höhen und schrecklichen Tiefen.

    Und das letzte (aller-aller-letzte) um was Du Dir im Moment Gedanken machen solltest ist hier irgendwen Anderes mit Deinem Blog traurig zu machen! (Nein, eigentlich ist das gar keinen Gedanken wert, auch nicht als aller-aller-letztes!)

    Wenn Dir jemand schreibt, das er voller Trauer und Tränen Deine Eintragungen liest und in Gedanken bei Dir ist, dann nur um Dir den (wahrscheinlich leider sehr mickrigen) Trost zu spenden zu dem man als Dein Blogleser, der durch Deine Offenheit immer eifrig die Etappen Deines Lebens mitverfolgen (und mitfühlen) durfte, in der Lage ist.

    Ich wünsche Dir und Deiner Familie viel Kraft und sende Dir ebenfalls eine dicke virtuelle Umarmung!

    LG,
    Viola

  5. Ich glaube gar nicht, dass Du Antworten auf all diese Feagen haben musst. Dass Du Dir die Fragen stellst, kann ich verstehen. Aber es reicht völlig, wenn Du Dir Deinen Kopf machst. Da drin ist so viel los gerade und alle, die das hier lesen, die wissen warum. Da brauchst Du Dir unseren Kopf nicht auch noch machen. Ganz bestimmt nicht. Du musst Dich für nichts entschuldigen. Dies hier ist Dein persönlicher Blog, Du bist uns keine Schönwetter-Unterhaltung schuldig. Wir folgen hier einer Kreativen, einer Künstlerin, die mit uns ihre Arbeit und ein wenig auch ihr Leben teilt. Was immer Du uns hier zeigst, wir wissen es zu schätzen und einzuordnen. Ich bin überrascht, dass Du überhaupt kreativ sein kannst im Moment. Dass Du nicht paralysiert bist. Zumindest nicht immer. Dass Du einen Weg zu finden scheinst, den Schmerz und die Kreativität miteinander zu verbinden. Das stimmt mich optimistisch. Das sagt mir, es wird besser für Dich, irgendwann. Und bis dahin begleiten die Dich, die Dich begleiten möchten und von denen wirst Du hier sicher keine Klagen hören.

  6. Liebe Melanie,
    bitte, bitte mach Dir keine Gedanken, dass Du hier jemanden belasten könntest. Ich bewundere Deinen Umgang mit Eurem Verlust und trotz aller Trauer Deine Sicht auf Nils' Tod. So sehr Dein Schicksalsschlag mich traurig macht, so sehr macht es mir auch bewusst, wie glücklich ich bin, dass ich ein gesundes Kind habe, und dass meine vermeintlichen Probleme doch nur kleine Stolpersteinchen im Leben sind.
    Ich wünsch Euch allen viel Kraft,
    fühl Dich gedrückt, Laura

  7. Du Liebe, vor nicht langer Zeit, hab ich Deinen Blog noch mal komplett rückwärts gelesen und wie so oft geschmunzelt und gelacht. Aber dieses Lachen war nicht mehr so frei und leicht wie früher. Aber darum solltest grade du dir die wenigsten Gedanken machen.
    Das Internet ist schon ne ulkige Sache, man kennt sich gar nicht und wieder doch…..
    Lass Deinen Kummer raus, wenn es Dir nur ein paar leichtere Augenblicke gibt, dann liegt da der Sinn.
    Ich möchte gerne mal Nils besuchen, wenn ich mutig bin und darf.
    Uta

  8. Liebe Melanie,

    ja, es ist schwer zu lesen und manchmal kaum zu ertragen. Aber während Du nicht die Wahl hast, haben alle Blogleser die Wahl, ob sie es mit Dir, euch, ertragen oder nicht. Ich dosiere das Lesen deines Blogs tatsächlich. Früher bin ich aus Neugier hergekommen und zur Aufmunterung, heute wird mir das Herz immer ein wenig schwer, wenn ich „mg“ eingebe und der Browser den Rest ergänzt (oder ich bei Svea nachschaue, ob ein neues Bild unter dem Link zu Deinem Blog ist ;) ). Ich bin öfter hier als früher, weil ich es früher manchmal längere Zeit im Gewusel vergessen habe. Jetzt denke ich jeden Tag an Dich und frage mich, wie es euch wohl gehen mag. Nee, ist nicht leicht und heiter. Aber Du hast genau null Verpflichtung irgendwem gegenüber, leichte und heitere Unterhaltung ins Netz zu stellen. Null. Wirklich, ich wiederhole es noch einmal: null. Wenn es jemandem zu viel ist, dann muss er seinen Hut nehmen, das Mitgefühl und auch die Trauer um die frühere leichtfüßige Rehwiesen-Heiterkeit in erwachsener Eigenverantwortlichkeit mit sich selbst abmachen und verebben lassen und sich seinem eigenen Krams zuwenden.

    Bei mir verstärkt das Lesen Deines Blogs mitunter meine Angst, weil ich nach dem frühen Tod meines Vaters immer Verlustängste hatte und sie seit der Geburt unseres Kindes eine verstörende neue Dimension erreicht haben, die ich nie für möglich gehalten hätte. Manchmal greift eine so eiskalte Hand nach meinem Herzen, dass mir der Atem stockt, und wenn ich deinen Blog lese, greift sie öfter nach mir, als wenn ich es bleiben ließe. Du machst mir aber auch Mut. Nicht, weil ich mir durch deine Tapferkeit einbilden würde, es wäre irgendwie machbar, mit dem Tod des eigenen Kinds fertig zu werden. Ich kenne mich leider besser mit Trauer aus, als ich je beim Universum bestellt habe, und mir ist allzu bewusst, dass ich entweder früh sterbe oder noch oft trauern werde. Hoffentlich nie so, wie Du jetzt trauern musst, aber Trauer: O ja, sie wird wiederkommen. Bitte, bitte lass es noch dauern, Universum, aber sie wird kommen. Scheiße ist das.
    Roter Faden, wo bist du? Ah, da: Es macht mir Mut, weil es für mich die einzige und zugleich wunderbarste Art von Trost ist, sich nicht allein zu fühlen. Jenseits der vermutlich zu verneinenden Frage, ob ich mich auch nur annähernd so gut halten würde wie Du (bei uns gibt es auch keine weiteren Kinder, um deretwillen ich es müsste): Ich glaube das Echo Deines Schmerzes zu verstehen, das mich durch Deine Zeilen und Bilder erreicht. Ich glaube, ich liebe ähnlich, wie Du es tust, und auch mein Schmerz würde dem Deinen ähneln. Nicht gleichen, niemals, wie auch, aber hinreichend ähneln, dass bei aller Erschütterung, die es in mir fraglos auslöst, hier zu lesen, auch dieser eigenartige Klang da ist, der sagt: Zwischen liebenden Wesen in diesem Universum gibt es eine Verbindung, in Freude und Schmerz, und wir alle sind nicht einzigartig und damit isoliert, und hin und wieder können wir einander die Hand reichen über diese Kluft, die ein Ich vom anderen trennt. Ganz kurz oder auch länger, für einen tröstlichen Händedruck oder eine feste Umarmung, wenigstens für einen Augenblick, in dem nur zählt, dass ein Mensch nicht mitten im Tosen des nicht zu Verstehenden ganz allein dasteht. Ich bin nicht religiös, ich habe keine Vorstellungen von irgendetwas anderem als dem, was ich kenne und sehe und spüre, und für mich ist das der einzige Trost, den es gibt: Menschen, die ich gernhabe. Aus der Nähe oder aus der Distanz. Ich habe beispielsweise Douglas Adams nie kennengelernt, aber wenn ich sein wunderbares „Die Letzten dieser Art“ lese, dann weiß ich: Da war (oder ist, wer weiß) mehr von jener Energie, die auch mich antreibt, ich bin nicht allein, andere empfinden und denken anders, aber ähnlich da, wo es für mich zählt. Und es schenkt mir Trost und Freude dort drinnen, wo ich weiß, dass es keine Gerechtigkeit gibt und alles vergeht. Denn es mag keine Gerechtigkeit geben, und wir sind ziemlich ausgeliefert, aber wir sind nicht allein.

  9. So. Aus einem sehr ähnlichen Grund lese ich deinen Blog, und bei allem Schmerz und allem Entsetzen, das mir manchmal (nicht immer, wirklich. Nur: manchmal) so eiskalt in die Eingeweide greift, ist doch dieser Trost (meistens) größer. Und falls ich manchmal etwas schreiben kann, das Dich dort drüben erreicht, die Du mitten in dieses graue, wirbelnde Tosen der schlimmsten Trauer geworfen wurdest, die ich mir nur ausmalen kann, dann scheiß ich sowieso drauf, ob das Lesen deines Blogs manchmal eine dunkle kleine Wolke in meinen Alltag weht. Für die, die hier lesen, Melanie, ist es nur ein Schatten Deines Schmerzes, ein ganz schwacher kleiner Schatten, und so oft auch viele Deiner Leser an Dich und die Deinen denken, sie tun es für einen Moment in ihrem Alltag, mit dem sie dann weitermachen. Du mutest niemandem etwas zu. Alle, die wir hier lesen, muten es sich selbst zu. Weil sie sich, aus unterschiedlichen, zum Teil aber vermutlich auch aus ähnlichen Gründen, dafür entscheiden, es zu tun. Dich ein kleines Stück oder auch länger auf Deinem Weg begleiten, solange Du es möchtest.

    Es gibt keine Verpflichtung zur Leichtigkeit, keine dazu, hier zu schreiben, keine dazu, es zu lassen. Deine einzige tatsächliche Verpflichtung ist es, zusammen mit deinem Mann eure Kinder dabei zu unterstützen, den Weg durch diesen Scheißdreck zu finden und dabei hoffentlich möglichst heil zu bleiben. Mehr Verpflichtungen sehe ich nicht. Bei allem anderen kannst Du – und im Moment auch: solltest Du, bitte! – danach gehen, was Dir im Augenblick, von Tag zu Tag und sogar von Stunde zu Stunde gesehen, am ehesten gut tut.

    Alles Liebe
    Maike

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